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Arts & Culture
NXT A exklusiv
06. Dezember 2019

Zurück zu den Wurzeln

Baukünstler Terunobu Fujimori erklärt am kommenden Wochenende in der Raketenstation Hombroich (Neuss), wie man moderne Architektur mit natürlichen Mitteln gestaltet. Der japanische Architekt entwickelt eine sehr persönliche, kritische Alternative zur zeitgenössischen Architektur, bei der er traditionelle Techniken und Materialien sowie natürliche Elemente in unorthodoxer Weise kombiniert. Ein Porträt von Alexandra Wach

Seine märchenhaft windschiefen Teehäuser müssen über krumme Leitern erklettert werden und bieten auf ihren Stelzen gerade mal Platz für ein Quartett. Zwischen Witz und Verbundenheit mit der Natur erschafft der exzentrische Japaner Terunobu Fujimori eine Welt, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht. Eine möglichst lange Lebensdauer gehört im Land der Erdbeben und Tsunamis nicht dazu.

„Teehäuser sind ja relativ klein und der Bauprozess ist sehr intim“, glaubt Fujimori. „Durch diese Haptik und das mit den Händen bauen, habe ich einen sehr kindlichen, spielerischen Zugang. Ich orientiere mich beim Entwerfen eines Teehauses nicht an der Tradition, sondern will vielmehr etwas Neues schaffen. Die Teehäuser sind für mich architektonische Werke, eventuell können Sie auch wie eine Skulptur betrachtet werden, jedoch würde ich sie nicht als Kunstwerke bezeichnen.“

Sein eigenes Teehaus, das „Zu hohe Teehaus“, ruht auf zwei Baumstämmen, mit drei Stützen zu bauen, so Fujimori, „ist zu stabil und langweilig“. Dabei ist er eigentlich ein Spätzünder. Einen Namen gemacht hat sich der ausgebildete Architekt zunächst als Historiker. Seine Abhandlungen zur Meiji-Ära etwa lösten eine nationale Debatte zum Umgang mit historischer Bausubstanz aus. An der Schnittstelle zur bildenden Kunst beteiligte er sich am Künstlerkollektiv ROJO, der Gesellschaft für Straßenbeobachtung, um Anfang der 1980er Jahre Situationen im Alltag von Tokio fotografisch zu dokumentieren, die sich vom Rest der Umgebung poetisch abhoben: Wächterlöwen oder Tonscherben am Wegesrand.

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Titelbild: Dieses Seminarhaus wurde in Zusammenarbeit mit dem japanischen Architekten Terunobu Fujimori und Takeshi Hayatsu, Simon Jones und 15 Doktoranden der Kingston University als Sommerinstallation Garten des Dorich House Museum im Südwesten England entworfen und gebaut. Foto: www.hayatsuarchitects.com