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Architecture
18. Februar 2021

Tiny Living

Was ist ein Tiny House? Wie nachhaltig sind Tiny Houses? Und was kosten sie eigentlich?

Größer, teurer, extravaganter war gestern. Heute ist es Trend, sich zu verkleinern und auf Überflüssiges zu verzichten. Viele Menschen möchten ihr Leben nachhaltiger gestalten, auf kleinerem Raum leben und ihren ökologischen Fußabdruck verringern. Nicht zuletzt deshalb erleben Tiny Houses einen regelrechten Hype. Doch was ist eigentlich ein Tiny House?

Die ursprünglich in den USA entstandene Bewegung ist noch recht jung, aber schon längst in Deutschland angekommen. Tiny Houses sind meist vollwertige Häuser mit Badezimmer, Küche, Schlafzimmer und Wohnbereich. Die Minihäuser werden oft auf einem PKW-Anhänger in Holzständerbauweise aufgebaut, besitzen kein Fundament und bieten eine Wohnfläche von bis zu 55 Quadratmetern. Sie lassen sich sowohl privat als auch gewerblich nutzen. Im privaten Bereich zum Beispiel als Erst- oder Zweitwohnsitz, als Ferienwohnung, Hobbyraum oder Werkstatt. Im gewerblichen Bereich als Arbeitszimmer, Seminarraum, Praxis oder Kindergartenraum.

Tiny Houses sind jedoch nicht nur charmant und mobil, sondern auch nachhaltig: Sie verbrauchen weniger CO2, können aus recycelten und ökologischen Materialien erbaut werden und sorgen durch geringeren Platz dafür, dass Bewohner*innen weniger konsumieren. Die Kosten für ein Tiny House variieren: Je nach Größe und Ausstattung kostet ein Minihaus bei einem Hersteller zwischen 35.000 und 120.000 Euro oder mehr. Entscheidend für den Preis ist die Größe der Wohnfläche, die Länge des Anhängers, der Ausstattungsumfang, die technische Ausrüstung (Dusche, Heizung, etc.) sowie die Ausbaustufe (Gestaltungsfreiheit oder bezugsfertig). Wer handwerklich begabt ist, baut sich das Tiny Haus einfach selbst und spart damit viel Geld.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass selbst kleine Häuser in der Gemeinde, in der das Grundstück liegt, vom Bauamt genehmigt werden müssen. Der Antragsteller muss gemeinsam mit einem Architekten oder Zimmerermeister Unterlagen wie Baubeschreibung, Lageplan oder Bauzeichnungen einreichen. Tiny Houses, die auf einem Anhänger errichtet sind, fallen nicht unter das Baurecht, sondern unter das Straßenverkehrsrecht. Auf einem Campingplatz, der Dauerstellplätze anbietet, kann ein mobiles Tiny House auch ohne Baugenehmigung genutzt werden.

In Deutschland gibt es bereits wenige Tiny-House-Dörfer, weitere sind in Planung oder in der Realisierungsphase. Zu den realisierten Projekten gehört das Tiny House Village in Mehlmeisel oder das TinyHouse Dorf Lilleby bei Hamburg. Beide Siedlungen sind durch Flächenumnutzung entstanden und bieten Stellflächen und Gemeinschaftsräume für dauerhaftes Wohnen. Darüber hinaus gibt es seit Oktober 2019 in Deutschland den ersten Tiny House Verband. Dieser dient als Sprachrohr der Tiny House Branche und bündelt die Interessen von Herstellern, Dienstleistern und Vereinen. Auf der Webseite finden sich Hilfestellungen zu Grundlagen und rechtlichen Fragen sowie Informationen zur baurechtlichen Problematik und Verweise auf interessante Projekte und Forschungsvorhaben zum Thema Tiny Living.

Text: Valentina Grossmann

Tipp: Am 22. Februar 2021 um 18:30 Uhr sprechen wir mit dem Syndikat Walden, einem jungen Architektur Start-up aus Süddeutschland, das sich auf den Bau von nachhaltigen Tiny Houses spezialisiert hat. Seid dabei! Anmelden könnt ihr euch hier.

Tiny Houses sind meist vollwertige Häuser mit Badezimmer, Küche, Schlafzimmer und Wohnbereich. Foto: Unsplash
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