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Urban Landscape
15. November 2020

„Superspreader“-Orte identifiziert

Eine neu veröffentliche Studie der kalifornischen Stanford-Universität will die häufigsten Ausgangsorte von Corona-Ansteckungen herausgefunden haben: Restaurants, Fitnessstudios, Cafés und religiöse Einrichtungen. Dazu wurden anonymisierte Bewegungsdaten von Handys, epidemiologische Schätzungen und demografischen Daten in einem Computermodell miteinander verglichen

Wo breitet sich Sars-CoV-2 am schnellsten aus? Wissenschaftler der Standford University beantworten diese Frage mit einem Computermodell, das auf demografischen Daten, epidemiologischer Schätzungen und anonymen Handydaten von 98 Millionen US-Bürgern basiert. Das Modell analysiert, wohin Menschen sich tagsüber bewegen, wie lange sie an einem Ort bleiben und wie viele andere Menschen sich dort aufhalten. Die so gewonnen Bewegungsprofile verbinden 57.000 Nachbarschaften mit 553.000 öffentlichen Orten wie Restaurants, Bibliotheken oder Geschäften. Entstanden ist ein dynamisches Netz mit 5,4 Milliarden virtuellen Verbindungen pro Stunde – also 5,4 Milliarden Kontakten, die dem Coronavirus die Chance boten, sich auszubreiten.

Die Simulation entspricht den tatsächlichen Fallzahlen in zehn amerikanischen Großstädten und deren Umland von Anfang März bis Anfang Mai. Daher, so resümiert das Team, lasse sich die Entwicklung in bestimmten Zeiträumen relativ zuverlässig vorhersagen.

Weniger Mobilität heißt sinkende Infektionszahlen

Was die Zahlen auch erzählen: Weniger Mobilität heißt sinkende Infektionszahlen. Vor allem hat die Studie „Superspreader“-Orte identifiziert, etwa Restaurants, Hotels, Fitnessstudios, Cafés und religiöse Einrichtungen. 85 Prozent der Menschen infizierten sich an nur zehn Prozent der Orte. Die belegt die These, dass überall dort, wo sich viele Menschen über längere Zeit in geschlossenen Räumen aufhalten, das Infektionsrisiko rapide ansteigt.

Die Wissenschaftler Serina Chang, Emma Pierson und Pang Wei Koh hoffen, dass das Computermodell Behörden beim Kampf gegen eine weitere Verbreitung des Virus unterstützt. Das hofft unter anderem auch Karl Lauterbach, Mediziner und Gesundheitsökonom und Mitglied des Deutschen Bundestags (SPD). Er sieht das Modell, mit dessen Hilfe sich die Ausbrüche in den untersuchten Regionen gut vorhersagen sagen lassen, als eine Bestätigung für den Shutdown von Gastronomie, Hotels und Fitnessstudios in Deutschland. Auf Twitter warnte er aktuell: „Wenn der aktuelle Wellenbrecher erfolgreich war, dürfen wir diese Bereiche nicht voll öffnen – wir erleiden sonst einen Rückfall!“

Text: Inge Pett

 

Große Stanford-Studie: Anhand eines Computermodells konnten Forscher der kalifornischen Stanford-Universität mit Daten von 98 Millionen US-Bürgern Coronavirus-Herde identifizieren. Foto: Unsplash
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