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Arts & Culture
18. Februar 2020

Städtische Demokratie statt Eleganz und Reichtum

Kristin Feireiss gründete 1980 gemeinsam mit der früh verstorbenen Helga Retzer Aedes, die erste private Architekturgalerie Europas. Architekten wie Rem Koolhaas oder Frank Gehry haben in Berlin seitdem an wechselnden Standorten ihre Arbeiten gezeigt. Zum 40-jährigen Jubiläum ist das dänische Büro Cobe zu Gast

2006 in Kopenhagen gegründet, zählt das Büro Cobe zu den bekanntesten Vertretern einer neuen Architektengeneration. Das Team um Gründer Dan Stubbergaard erforscht die vielfältigen Potenziale des städtischen Raums und setzt sie in Projekten um, die das urbane Wohnen lebenswerter machen sollen. Für Cobe verbindet sich in der Stadt der private und öffentliche Raum auf experimentelle Weise miteinander, so wie die raumgreifende Holzinstallation „Our Urban Living Room“ aus Gerüst und Kuben. Bei der Galerie Aedes dient sie gerade zur Befestigung von Fotos und Auszügen aus dem gleichnamigen Buch.

Im Innern kann sich der Besucher setzen und haptisch und auditiv über die realisierten Projekte „Karen Blixens Plads“, das mit einer Aluminiumfassade versehene Wohnhochhaus „The Silo“ oder den Frederiksvej Kindergarten anhand von Modellen, Bildern, Texten und Zeichnungen informieren. All diese öffentlichen Bauten, darunter auch Stadtbibliotheken in sozial schwachen Vierteln, dienen dem Zusammenhalt, ohne in ihrer Gestaltung auf auftrumpfende Mittel zu setzen.

Nebenbei erzählt die Ausstellung auch von der architektonischen Entwicklung Kopenhagens und den Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. Aus einer von der Industrie geprägten Hafenstadt wurde in den vergangenen Jahrzehnten eine fahrradfreundliche Metropole, in der zukunftsweisende Architektur wie selbstverständlich zum Straßenbild gehört. Im einstigen Nordhafen ist die Umwandlung noch voll im Gange, hochwertiger Wohnraum trifft auf Grünflächen und reduzierten Individualverkehr, was nicht heißt, dass es an einer Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel fehlt. Gewerbliche Bestandbauten werden erhalten und für die neue Nutzung, etwa durch Start-ups, umgebaut.

Genau hier hat Cobe mit seinen 150 Mitarbeitern in einer ehemaligen Lagerhalle sein Quartier eingerichtet. „Unsere Stadt ist unser Zuhause, und genau darauf baut der Erfolg Kopenhagens heute auf. Je mehr uns als Architekten, aber vor allem als Bewohner Kopenhagens an der Stadt liegt, desto besser werden wir mit ihr umgehen. Je besser die Gestaltung unserer Stadt ist, desto mehr Menschen werden hier gut leben wollen und stolz darauf sein. Dabei geht es nicht um Schönheit, Eleganz oder Reichtum, sondern um Lebensqualität und städtische Demokratie“, glaubt Stubbergaard.

Aedes Architekturforum, bis 29. April, www.aedes-arc.de

Text: Alexandra Wach

Titelbild: Für Cobe verbindet sich in der Stadt der private und öffentliche Raum auf experimentelle Weise miteinander, so wie die raumgreifende Holzinstallation „Our Urban Living Room“ aus Gerüst und Kuben. Bei der Berliner Galerie Aedes dient sie gerade zur Befestigung von Fotos. Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST

Für Cobe verbindet sich in der Stadt der private und öffentliche Raum auf experimentelle Weise miteinander, so wie die raumgreifende Holzinstallation „Our Urban Living Room“ aus Gerüst und Kuben. Bei der Berliner Galerie Aedes dient sie gerade zur Befestigung von Fotos. Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST
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