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13. Februar 2021

Phase Null – und das Ziel im Blick behalten

Unsere Kolumnistin Simone von Schönfeldt schreibt dieses Mal über das Thema Grundlagen schaffen, den wichtigen Austausch mit KollegInnen und die App Clubhouse

Das Jahr ist noch frisch. Lehnen wir uns also entspannt zurück und starten auch architektonisch ganz am Anfang. Wobei, hier wird es direkt kompliziert. Denn man kann sich sofort darüber streiten, wann es mit der Architektur eigentlich „losgeht“. Ist es die Idee zu einem Projekt? Ist es der Tag, an dem die Finanzierung gesichert ist? Ist es der Erwerb des lange gesuchten Grundstückes? Eine saubere Definition kann ich hier nicht liefern – und für einen ausufernden philosophischen Exkurs ist eine Kolumne nicht der richtige Ort.

Ein Schlüsselwort könnte „Machbarkeitsstudie“ sein, wobei kurz gesagt eine umfassende Analyse stattfindet, Lösungsansätze dargestellt und Risiken identifiziert werden. Man hat dann eine Entscheidungsgrundlage. Es folgt mitunter noch ein Wettbewerb. Mal gibt es eine BürgerInnenbeteiligung, mal Workshops mit den potenziellen NutzerInnen. Bevor so ein Bauvorhaben richtig ins Rollen kommt, geht also einige Zeit ins Land. Da ist Architektur geduldiger als aktuell zum Beispiel die Politik, die für zahlreiche (zu zögerliche) (Fehl-) Entscheidungen harsch kritisiert wird. Aber wollen wir bei aller Meckerei mal nicht vergessen, wie gut wir es haben. Ich habe bislang noch von keinem Architekturbüro gehört, das durch Corona ähnlich gebeutelt wäre wie FriseurInnen oder Kulturschaffende.

Schnell entscheiden – vielleicht auch ohne 1-A-Entscheidungsgrundlagen – das führt natürlich dazu, dass man Fehler macht. Aber wer sagt, dass Fehler per se schlecht sind? Fehler sind durchaus unangenehm. Aber manchmal ist es besser, voranzukommen, als in der Fehlervermeidung steckenzubleiben. Der eine entscheidet aus dem Bauch, der andere macht Pro/Contra-Listen, der Planer plant gern erst einmal – aber springt mal über Euren Schatten, wagt etwas. Verliert Euer Ziel nicht aus den Augen, verliert Euch nicht im Klein-Klein.

Als kleine Übung für schnelles „Machen“ kann Clubhouse ganz nützlich sein. Ich gebe zu, man kann natürlich viel darüber schimpfen: iPhone, nicht barrierefrei … Ich bin trotzdem reingesprungen, hab kurz geschaut, einen Talk zur Bürgerbeteiligung organisiert und einen zu Skills, die ArchitektInnen heute und in Zukunft brauchen. Kaum geplant, zuerst ziemlich nervös – und schon waren die 45 Minuten vorbei. Viel zu kurz und trotzdem: ein guter Austausch mit interessanten Menschen, die ich aktuell nicht treffen kann und ohne Corona so schnell niemals an einen Tisch bekommen hätte. Ein weiterer Vorteil: man kann entspannt zuhören und nebenbei auf dem Sofa lümmeln oder Kuchen backen – sich aber (anders als beim Radio hören) wenn man dringlich etwas sagen möchte, zu Wort melden.

Grundlagen schaffen, dabei die Zeit im Blick behalten und den Punkt finden, an dem Entscheidungen anstehen – entscheiden und weitermachen, denn ob man genug Informationen hat, das weiß man nie. So ist das in der Architektur und so ist dasirgendwie auch im Leben – auch wenn es sich da nicht so sachlich-technisch anfühlt, wie ich es gerade schreibe.

Für welches Projekt schafft Ihr gerade Grundlagen? Habt Ihr dafür genug Zeit? Gibt es viele offene Punkte, die Euch verunsichern? Mir hilft es eigentlich immer, mich nach einer ersten Analysephase kurz (!) mit anderen auszutauschen – denn viele kluge Köpfe sind immer schlauer als nur einer. Ich betone „kurz“, da man sich natürlich auch beim Plaudern verlieren kann. Fast immer bekommt man wichtige Impulse für das Weiterarbeiten. Nutzt Ihr dazu neben dem Telefon und Eurem persönlichen Netzwerk auch die sozialen Medien, um themenspezifisch den/die richtigen Ansprechpartner zu finden? Gerade denke ich an das Sesamstraßenlied: „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm“. Ja, seid neugierig, stellt Fragen – gern auch mir, wenn Ihr welche habt.

Übrigens: 2021 lest Ihr die Kolumne monatlich – bis dahin!

Eure Simone von Schönfeldt

Architektin, Organisationsberaterin, Baufachjournalistin

Gründerin von arbeiten übermorgen – Weiterbildung & Weiterentwicklung für Architekt*innen

Titelbild: Mit ihrer Kolumne für NXT A hält Simone von Schönfeldt Euch alle einmal im Monat auf dem Laufenden. Foto: privat
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