Become a Member
← Alle Artikel
Architecture
14. August 2020

Community Check #11

Bei NXT A steht das A für architecture – und für die Menschen dahinter. In unserer Porträt-Serie stellen wir Euch kluge Köpfe der Architektur-Szene vor: Was bewegt sie? Was lesen sie? Worüber denken sie nach? Und welchen Blick haben sie auf die Welt? Wir haben nachgefragt, Ihr geantwortet. Katharina Benjamin wünscht sich einen Wandel der Architekturbranche, denn: „Architektur und Bauwirtschaft bewegen sich seit langer Zeit in eine nicht zu befürwortende Richtung“

Katharina Benjamin studierte Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar. Arbeitserfahrung sammelte sie unter anderem im Atelier Peter Zumthor & Partner in Haldenstein (CH), am Deutschen Nationaltheater Weimar und als Projektkoordinatorin des XIV. Internationalen Bauhaus-Kolloquiums an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2019 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren I an der TU Dresden und grübelt aktuell über ihr Promotionsthema. Ihre im Jahr 2017 gegründete digitale Architekturplattform „Kontextur“ findet man auf Instagram unter @kntxtr.

Was sind Deine Lieblings-Social Media-Accounts und warum sind die für Dich spannend?
Für mich sind Helga Blocksdorf (@__hb_a__ , im Community Check #8), Mariam Kamara (@mariamkamr) und Charlotte Malterre-Barthes (@charlottemalterrebarthes) wichtige Stimmen des aktuellen Architekturdiskurses und Vorbilder.

Welchen Podcast hörst Du gerade am liebsten und warum?
Ich bin begeistert von dem Podcastprojekt „Architektur und die Welt“. Gerade die Folgen mit Aita Flury und Oliver Lütjens haben mich zum Nachdenken angeregt. Sehnlichst wünsche ich mir neue Folgen.

Und welches Buch liest Du gerade am liebsten und warum?
Ein Buch zu dem ich immer und immer wieder zurückkehre: „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll. Er ist für mich als gebürtige Kölnerin eine bedeutende literarische und politische Figur.
Das 1963 erschienene Buch kritisiert die Moral und den Lebensstil der bürgerlich-katholischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Protagonist Hans Schnier wendet sich gegen die in den Wirschaftswunderjahren vorherrschenden Konventionen und nimmt so den sozialen Abstieg in Kauf. Außerdem spielt das Buch in Bonn – und viele im Buch beschriebene Konflikte innerhalb der Familie Schnier erinnern mich an längst vergangene Konflikte in meiner Familie.

Wofür möchtest Du Dir mehr Zeit nehmen?
Ich möchte mir mehr Zeit und Raum zum Lernen und Lesen nehmen. Da ich einen kleinen Sohn habe, ist das einfacher gesagt als getan. Aber seit ein paar Wochen steht ein geliehenes E-Piano bei mir, und ich bin dabei, mir die Grundlagen des Klavierspielens zu erarbeiten. Kleine Erfolge lösen bei mir hier gerade schon totale Glücksgefühle aus.

Was ist Dein Lieblingsplatz in Deiner Stadt?
Der Störmthaler See im Leipziger Süden. Bergbaufolgelandschaften faszinieren mich.

Worin siehst Du bei den aktuellen Geschehnissen um Covid-19 die Herausforderung/Chance Deiner Branche?
Ich hoffe Covid-19 provoziert einen Wandel der Branche, denn Architektur und Bauwirtschaft bewegen sich seit langer Zeit in eine nicht zu befürwortende Richtung. Die Konsequenzen sind allerorts zu spüren: Wenn man sich die gebaute Umwelt anschaut, wenn man sich in unbehaglichen, aber voll gedämmten und automatisch belüfteten Räumen aufhalten muss, wenn man an Wärmedämmverbundsysteme klopft, wenn man über den Grenfell Tower, das Berliner Stadtschloss, den Mäusebunker und Patrik Schumacher liest, wenn man über die Arbeits- und Produktionsbedingungen in der Architektur und auf den Baustellen nachdenkt, wenn man sieht wie wenig Frauen in Führungspositionen arbeiten, wie wenig junge Architekten und Architektinnen es schaffen, sich selbständig zu machen oder wie lange es dauert, Holz- und Lehmbauprojekte durchzubekommen. Warum ist das so und wer profitiert vom Status quo?

 

Interview: Jessica Mankel

Wenn Katharina Benjamin nicht gerade über ihre Promotion nachdenkt, bringt sie sich selbst die Grundlagen des Klavierspielens bei. Foto: Christian Rothe