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Architecture

Architekturtheoretiker Dietmar Steiner gestorben

Dietmar Steiner, Gründungsdirektor des Architekturzentrums Wien, verstarb gestern im Alter von 68 Jahren. Er galt als einer der engagiertesten und streitbarsten Experten des österreichischen Wohnbaus. Die Vermittlung von Architektur und Baukultur war ihm ein wichtiges Anliegen

Ein Vierteljahrhundert leitete Dietmar Steiner das Architekturzentrum Wien. 1993 hatte er es mit der damaligen Kulturstadträtin Ursula Pasterk im heutigen Museumsquartier begründet und machte es zu einer international renommierten Institution. Gestern starb der engagierte und streitbare Experte, der seit Jahrzehnten als Publizistik, Kritiker und Historiker über Architektur diskutierte und schrieb, im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Herzoperation.

„Architektur ist Lebensmittel“, lautete die Überzeugung des Architekturtheoretikers für eine menschliche und ressourcenschonende Architektur. Die österreichische Architekturlandschaft belebte Dietmar Steiner mit zahlreichen historischen sowie zeitgenössischen Ausstellungen zu Architektur- und Stadtentwicklungsthemen und legte den Grundstein für die größte Sammlung von Vor- und Nachlässen österreichischer Architekten des 20. Jahrhunderts. Ihm gelang es, mit dem Architekturzentrum ein Forum zum Präsentieren, Diskutieren, Publizieren und Archivieren zu schaffen. Im Fokus stand dabei immer die gesellschaftliche Dimension von Architektur. „Wie kaum ein anderer hat Dietmar Steiner es verstanden, die Bedeutung der Architektur für die Gesellschaft und die Notwendigkeit die Geschichte der Architektur zu vermitteln, “ unterstrich die österreichische Kultursprecherin Eva Blimlinger. Die aktuelle Situation kommentierte Dietmar Steiner streng: „Wer heute Architektur macht, muss von Jus und Wirtschaft mittlerweile mehr Ahnung haben als vom Bauen.“ Bis heute gilt das Architekturzentrum Wien, seit 2017 unter der Führung von Angelika Fitz, als die größte und wichtigste Architekturinstitution Österreichs.

Geboren wurde Dietmar Steiner 1951 in Wels. Er studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien und arbeitete an Friedrich Achleitners Archiv „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“ mit. Er lehrte an der Hochschule für angewandte Kunst, war Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Architektur und Redakteur des internationalen Designmagazins „Domus“. 2002 verantwortete er den österreichischen Beitrags der Architektur-Biennale in Venedig, von 2006 bis 2014 war er Präsident der weltweiten Dachorganisation der Architekturmuseen ICAM (International Confederation of Architectural Museums) und von 2009 bis 2014 Vorsitzender des Qualitätsbeirats für den sozialen Wohnbau in Wien.

Einen Rückblick auf fast 60 Jahrzehnte Architekturgeschichte gab Dietmar Steiner in seinem 400-Seiten starken Opus „Steiner’s Diary“. Seine Sicht auf die Welt der Architektur dokumentiert außerdem der sehr persönliche Film „Zeitreise“ derRegisseurin Andrea Maria Dusl.

Text: Ute Strimmer

Titelbild: Dietmar Steiner, Gründungsdirektor des Architekturzentrums Wien, verstarb gestern im Alter von 68 Jahren. Foto: Still „Zeitreise“ / Andrea Maria Dusl
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