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Arts & Culture
12. Juli 2020

85 000 Euro für das kleinste Auto der Welt

Diese Woche versteigerte das Dorotheum in Wien seltene Mobilitäts-Zeitzeugen der 1950/60er-Jahre: Roller und Mini-Autos der Nachkriegszeit

Mit gerade mal 135 Zentimetern Länge und 99 Zentimetern Breite gilt er als das kleinste Auto der Welt: Der Peel Fifty, Baujahr 1963. Am vergangenen Freitag, am 10. Juli 2020, wurde das seltene und guterhaltene Gefährt in unrestauriertem Originalzustand für 85.100 Euro im Wiener Dorotheum versteigert. Es war Teil der bekannten „Sammlung „Rrrollipop“ – Roller, Rollermobile & Raritäten“, die über ein Jahrzehnt als Dauerleihgabe im niederösterreichischen Museum Eggenburg zu sehen war und das Rückgrat der dortigen Roller-Schau bildete.

Insgesamt 130 Exemplare kamen unter dem Hammer, darunter Nachkriegslegenden aus den 1950er und 1960er Jahren wie die BMW Isetta, die sogenannte Knutschkugel, – insgesamt ein Querschnitt durch die Roller-Historie. Einige sahen aus wie zu heißgewaschene Sportwagen oder futuristische Automobilkonzepte und sind mit ihrem kleinen und ressourcenschonenden Anspruch der charmante Gegenentwurf zu den heutigen SUVs. Entwickelt wurden sie für eine Basismobilität – für Wege, die zum Laufen zu weit oder zu naß waren. 

Mehr Ufo als Auto ist der nach dem Fischerdorf Peel auf der Isle of Man benannte Dreiräder, in dessen winzige Kabine genau eine einzige Person hineinpasst. Das Modell hat einen Ketten-Hinterradantrieb, ein Dreiganggetriebe ohne Rückwärtsgang, Dreiecksquerlenker vorn, einen Schwingarm hinten, Schraubenfedern und mit Seilzug betätigte Bremsen. Der gut 4 PS starke Mini-Benziner ließ sich auf 70 km/h beschleunigen. Hergestellt wurde das Leichtfahrzeug insgesamt nur 47 Mal. Beworben wurde der Winzling mit Kunstoff-Karosserie einst mit dem Claim: Cheaper than walking. Seit über fünfzig Jahren steht er nun  im Guinness-Buch der Rekorde als das kleinste Serien-Auto der Welt mit Straßenzulassung. Legendär ist die Testfahrt des knapp zwei Meter großen, einstigen „Top-Gear“-Moderators Jeremy Clarkson aus dem Jahr 2008: Dieser fuhr mit dem Mini car nicht nur durch die Londoner Innenstadt, sondern auch durch die Büros und Aufzüge der BBC-Studios.

Zwei österreichische Jugendfreunde, Norbert G. Mylius und Erich Schenkel, die in den 1950ern selbst mit ihren Rollern bzw. Kabinenrollern an Sportbewerben teilgenommen hatte, hatten die umfangreiche Roller-Sammlung ab den 1970er Jahren zusammengetragen. Mitsteigern war bereits ab 200 Euro möglich, hier ein Blick in den Auktionskatalog.

Text: Ute Strimmer

Das kleinste Auto der Welt: Der Peel P50, Baujahr 1963, wurde am 10. Juli 2020 für 85 100 Euro in Wien versteigert. Foto: © Dorotheum