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Urban Landscape
08. Mai 2020

Wie gestalten wir eine lebenswerte Zukunft in der Provinz?

Die IBA Thüringen stellt sich mit dem Thema StadtLand den großen Fragen zur Entwicklung des ländlichen Raums. Wie geht sie an die Probleme Leerstand, Überalterung, Verlust der Identität heran, welche Lösungen findet sie? Die Leiterin der IBA, Dr. Marta Doehler-Behzadi, antwortet

NXT A: Frau Doehler-Behzadi, immer mehr Menschen werden zukünftig in der Stadt leben, in dreißig Jahren könnten es bis zu 70 Prozent der Erdbevölkerung sein. Das ist für Städte weltweit eine Belastungsprobe, sei es im Hinblick auf Verkehr, Wohnraum oder Klimaschutz. Was bedeutet das für das Leben in ländlichen Räumen?

Marta Doehler-Behzadi: Wenn wir über die globale Ebene nachdenken, kann man davon ausgehen, dass die Flucht in die Stadt nicht immer freiwillig vonstatten geht. Menschen werden vertrieben, Wohnraum geht verloren, wird teurer, die Lebensgrundlage auf dem Land bricht weg. Ich traue dem oftmals beschworenen „Urban Millennium“, der Verstädterung, nicht unbedingt zu, dass es nur die Erfolgsgeschichte von Städten erzählt. Wenn ich den Aspekt der Verstädterung auf Thüringen beziehe, so bemerke ich, dass die Konzentration in den Überdruckgebieten und die Entleerung in den Unterdruckgebieten viele negative Folgen für beide Seiten hat. 

NXT A: Welche sind das?

Marta Doehler-Behzadi: Das sind zum einen städtebauliche Folgen, Stichwort Leerstand. Die städtischen Strukturen verändern sich aufgrund demografischer Schrumpfung, als Ergebnis von Migrationsbewegungen und durch Strukturwandelprozesse. Es geht auch um infrastrukturelle Folgen, etwa wenn an einer Stelle eine Schule schließen muss, weil es nicht genug Schulkinder gibt, und man an anderer Stelle eine Schule neu baut. Ein weiteres Thema ist die Wohnraumversorgung: Mancherorts herrscht Wohnraummangel, ein paar Kilometer weiter entfernt stehen Wohnungen leer. In Thüringen kann man zwar nicht von akuter Wohnungsnot sprechen, aber auch hier gibt es das stellenweise. Dann haben wir da noch die mentalen Folgen sowie die politischen. Diese sind stark von dem Gefühl eines Abgehängtseins verursacht. Die Menschen erleben große Umbrüche, Veränderungen – etwa durch die Flüchtlingsströme, den Klimawandel oder die Digitalisierung. Drei völlig unterschiedliche Dinge, aber stets ist das Problem hierbei, dass die Menschen diese Veränderungen nicht mit ihrem eigenen Leben, ihrer Lebenswirklichkeit in Einklang bringen können. Daraus entstehen Sorgen, Angst, Wut. Und das spiegelt sich auch in Wahlergebnissen wider, was wir auch jüngst in Thüringen gesehen haben.

NXT A: „StadtLand“ ist ja das übergeordnete Thema der IBA Thüringen. Das heißt, es geht nicht nur um ländliche Räume, sondern auch um Stadt.

Marta Doehler-Behzadi: Richtig, es geht darum, beides
zusammen zu denken, es geht um die Wechselwirkungen von Stadt und Land, um einen gleichberechtigten Blick auf beides. Im Laufe der Zeit hat das Thema immer mehr an gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Wir suchen nach Antworten für ländliche Räume, nach Antworten für Thüringen mit seiner kleinteiligen Siedlungsstruktur mit vielen kleinen Gemeinden und Städten, die man dann aber auf andere Räume übertragen kann. Am Anfang der IBA hat der eine oder andere noch moniert, was das Thema denn mit dem Format einer IBA zu tun habe. Ich wurde gefragt, ob das eine IBA auf dem Dorf sei. Inzwischen fragt das niemand mehr, weil die Zukunftsperspektiven unserer ländlichen und peripher ländlichen Räume zu einem gesellschaftlich überaus wichtigen Thema herangereift sind und wir uns als Gesellschaft insgesamt fragen müssen, wie wir unsere Räume organisieren – wie wir mit Konzentration auf der einen und Entleerung auf der anderen Seite umgehen wollen. Und das betrifft auch das städtische Leben. Und wenn wir die demokratischen Grundlagen unserer Gesellschaft erhalten wollen, dann müssen wir uns um diese Fragen kümmern.

NXT A: Das sind große Herausforderungen… Welchen Beitrag kann die IBA da leisten? Welche Fragen stellen Sie sich?

Marta Doehler-Behzadi: Wir entwickeln Strategien und initiieren Projekte für den Raum, die Fläche, für nicht dichtbesiedelte Räume – durch Umbauen, Aufbauen und Neubauen. Wir fragen uns: Wie gehen wir mit Leerstand um? Wie bauen wir selbst etwas auf? Wie schaffen wir Identität? Wie machen wir Baukultur zum Markenzeichen einer ländlich geprägten Region? Wie erschaffen wir eine positive Zukunftsbeschreibung für das, was wir Provinz nennen?

NXT A: Wir reden über „das Land“, „den ländlichen Raum“. Wie definieren Sie Land? 

Marta Doehler-Behzadi: Ich muss schmunzeln über Ihre Frage, denn ich arbeite gerade an einem Artikel; mein Einstieg lautet: „Alle Diskussionen über den ländlichen Raum beginnen mit der Gegenfrage: Was verstehen Sie eigentlich unter dem Land?“ Mit dieser Definitionsfrage ist man ganz schnell am Ende seines Lateins, wenn man sämtliche Kriterien und Indikatoren auflisten will. Tatsächlich hängt die Antwort auf die Frage stark von der Perspektive ab. Es gibt aber einen wunderbaren Satz eines früheren Mitarbeiters des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), der mich immer noch begleitet: „In Deutschland leben 75 Prozent der Menschen in städtischen Zentren, die anderen 75 Prozent leben in ländlichen Räumen.“ Genau diese Uneindeutigkeit macht wiederum deutlich, dass es sehr schwer ist, eine Definition zu finden. 

NXT A: Versuchen wir doch einmal eine Definition für Thüringen zu finden. Vielleicht nähern wir uns der Definition mit einer Beschreibung…

Marta Doehler-Behzadi: Die Siedlungsstruktur Thüringens ist kleinteilig. Selbst die großen Thüringer Städte wie Erfurt, Jena oder Weimar sind im deutschlandweiten Vergleich eher klein; Erfurt bewegt sich als Landeshauptstadt mit 214.000 Einwohnern auf relativ kleinem Fuß. Erfurt ist für mich andererseits aber auch der Inbegriff der europäischen Stadt, aufgeräumt, intakt, nachvollziehbar. Dann haben wir da noch zahlreiche Residenzstädte wie Rudolstadt, Meiningen oder Gotha, die einstmals wichtige politische und kulturelle Zentren waren. Sie haben einen historischen Marktplatz, ein Rathaus, ein Schloss, ein Theater und damit bis heute eine starke historische und kulturelle Verankerung in sich selbst. Nicht zu vergessen die vielen Dörfer und Ortschaften innerhalb einer differenzierten Kulturlandschaft. 

Morphologisch gesehen, scheint der Thüringer Raum eindeutig und klar definiert zu sein. Schaue ich aber aus sozial-ökonomischer Perspektive darauf, dann ist es nicht mehr ganz so klar und eindeutig. Denn ob ich nun auf ein Dorf mit 200 Einwohnern schaue oder auf eine Stadt mit 20.000 – man kann davon ausgehen, dass die Lebenswelten der Menschen nicht mehr wirklich weit auseinanderliegen. Sie arbeiten ähnlich, leben ähnlich, wohnen ähnlich. Die Menschen auf dem Dorf leben nicht mehr mit den Jahreszeiten, müssen nicht mehr die Felder bestellen, Vieh versorgen, sind nicht mehr an den Ort gebunden. Alles bewegt sich in postagrarischen und post-industriellen Strukturen. Diese Wirklichkeit trifft nicht nur für Thüringen zu, sondern lässt sich auch auf andere ländlich geprägte Räume übertragen. Das Leben auf dem Land und in der Stadt hat sich angeglichen. Es gibt keine großen Unterschiede, kein enormes Gefälle mehr. 

NXT A: Sprechen wir eigentlich vom ländlichen Raum im Singular, oder müssen wir eher vom Plural ausgehen? Es gibt ja nicht per se „das Land“ – und dann setzen wir einen Haken daran…

Marta Doehler-Behzadi: Genau so ist es. Von Homogenität kann überhaupt keine Rede sein. Das ist auch eine unserer Schwierigkeiten, dass wir oftmals dazu tendieren, das Land, den ländlichen Raum, zu oberflächlich zu betrachten, zu einer Kategorie zu verschmelzen. Es gibt ja auch nicht „die“ Stadt. Und – jetzt spreche ich als Stadtplanerin – wir wissen über die ländlichen Räume viel zu wenig. 

NXT A: Im Unterschied zu den Städten? 

Marta Doehler-Behzadi: Ja, wir fokussieren uns sehr stark darauf, was in den Städten passiert, und betrachten die ländlichen Räume nur am Rande. Das ist im Übrigen auch die These Rem Koolhaas’, dass wir den ländlich geprägten Regionen zu wenig Aufmerksamkeit entgegenbringen. Mit seiner aktuellen Ausstellung „Countryside, The Future“ im New Yorker Guggenheim-Museum will er eben diese Countryside wieder auf die Agenda bringen, sie sichtbar machen. Mit unserem konzentrierten Blick auf die Städte nehmen wir nicht wahr, was auf dem Land passiert. Wir bemerken die Veränderungen, die dort stattfinden, nicht. Bei Koolhaas steht mit der Schau nicht zuletzt die Aussage im Raum, dass die Countryside ein Ort voller Möglichkeiten und Innovationen sein kann.

NXT A: Würden Sie als Chefin der IBA Thüringen diese Aussage unterstützen? 

Marta Doehler-Behzadi: Zumindest bin ich überzeugt davon, dass es Veränderungen in den ländlichen Räumen gibt, die wir nicht annähernd ausreichend beschreiben, akzentuieren, auswerten oder zum Gegenstand unserer Forschung und Praxis machen. Und die IBA Thüringen will und kann hier einen notwendigen Beitrag leisten. 

NXT A: Wie macht die IBA das konkret? 

Marta Doehler-Behzadi: Das beantworte ich am besten mit unserer Haltung. Die drückt sich in unserem Thema StadtLand aus. Beides ist ja groß geschrieben, beides ist gleich wichtig. Beidem begegnen wir vorurteilsfrei, aber ohne Pathos gegenüber der europäischen Stadt einerseits, aber auch ohne ein romantisierendes Landlust-Gefühl, und schließlich auch völlig frei von Land-Frust. Es geht um einen neuen gesellschaftlichen Stoffwechsel. Vor allem im Zuge des Klimawandels müssen wir neue Bezüge zu unseren Flächen, zur Landschaft, zu unseren Ressourcen herstellen. 

NXT A: Geht es um eine Neuinterpretation von Stadt und Land?

Marta Doehler-Behzadi: Ja, das kann man so sagen.

NXT A: Eine der Neuinterpretationen, die die IBA Thüringen verwendet, hat mit Leerstand zu tun. Sie definieren Leerstand als LeerGut. Was bedeutet das genau? 

Marta Doehler-Behzadi: Wir zeigen das Potenzial von Leerstand auf und die Möglichkeiten, die damit verbunden sind. Wir müssen umdenken, umnutzen, umbauen. Der EiermannBau in Apolda ist da ein gutes Beispiel: Er befindet sich in einer StadtLand-Beziehung, in einem städtischen Kontext, aber in einem Quasi-Off-Standort zwischen Weimar und Jena. Da stellte sich die Frage: Was machen wir mit diesem riesigen ungenutzten Industriegebäude zwischen zwei Universitätsstädten? Aber allein schon dadurch, dass das Gebäude historisch verankert, eine Architekturikone ist, konnten wir in unserem architektonischen Schaffen einen gestalterischen Konsens erreichen. Der Eiermann-Bau als „Open Factory“ zeigt, wie man Leerstand kreativ, kollektiv und nachhaltig aktiviert.

NXT A: Leerstand ist auch ein Thema im Schwarza­tal, einer einstigen Tourismusdestination, in die früher Urlauber zur Sommerfrische reisten. Zwischen 1880 und 1940 baute man dort „Sommerfrische-Architekturen“, oftmals zweistöckige Gebäude mit Balkonen im Obergeschoss und Laubengängen im Erdgeschoss, die einen intensiven Blick über die Landschaft zuließen…

Marta Doehler-Behzadi: Mit dem Leerstand und dem Erhalt der Häuser umzugehen, ist das eine, ein neues Landschaftsbild zu entwickeln und eine traditionsreiche Kulturlandschaft zu aktivieren, ist das andere. Wir brauchen neue Strukturen, neue Nutzergruppen, neue Governance-Strukturen, neue Finanzierungs- und Förderungsmodelle. Nicht selten hat ein Sommerfrische-Haus quasi keinen Wert mehr, womöglich sogar einen Negativwert. Der Eigentümer verschenkt das Haus, vielleicht an eine Initiative, die die Sommerfrische für Touristen und Besucher wieder aufleben lassen will. Die Sanierung des Gebäudes ist allerdings kostenaufwendig. Um Fördermittel zu bekommen, muss die Initiative zum Verein werden. Und hier gestatten die Förder­töpfe, Eigenleistung zu ergänzen, denn Eigenkapital haben die oftmals jungen Leute nicht. Hier wollen wir als IBA zeigen, dass man derlei Wagnisse eingehen muss, um eine Region wiederzubeleben, auch um historischen Bestand zu erhalten. Wir wissen nicht ganz genau, wo das endet, aber wir müssen das machen. Gut funktioniert das gerade schon im Haus Bräutigam in Schwarzburg. Der Verein hat das Haus vor dem Abriss bewahrt; es ist ein schönes Beispiel für ein gemeinschaftliches Umbau- und Umnutzungsprojekt. 

NXT A: Die Frage, die sich immer stellt, wenn es um Leerstand, um demografische Schrumpfung geht: Baut man trotzdem neu? Wie halten Sie es damit? 

Marta Doehler-Behzadi: Wir haben darüber unzählige Diskussionen geführt. Aber wir haben uns entschieden, das Thema Neubauen in der Provinz trotz oder vielleicht auch gerade wegen des Leerstands zu einem IBA-Vorhaben zu machen. Es geht ja auch um Innovation, darum, zeitgemäße Baukultur zu schaffen.

NXT A: Wie beim Sch(l)afstall in Bedheim? Das Projekt hat es sogar in die DAM-Preis- Shortlist 2020 geschafft…

Marta Doehler-Behzadi: Die Architekten Gründer Kirfel haben hier eine wirklich bemerkenswerte architektonische Äußerung entwickelt. Der Neubau steht auf den Grundmauern eines alten Stalls und ist Teil eines Schloss-ensembles. Auf den ersten Blick würde man das Gebäude wahrscheinlich noch nicht einmal als neu erkennen, weil es sich in Dachform und die Kubatur des Ensem-bles so perfekt einfügt. Auf den zweiten Blick erschließen sich subtile Elemente, mit denen die Architekten spielen und in die sie die zeitgenössische Komponente eingetragen haben. 

NXT A: Was macht das Projekt noch so besonders?

Marta Doehler-Behzadi: Der Sch(l)afstall ist ein Holzbau, der mit der eigenen Hände Arbeit, also als Selbstbau, erschaffen wurde. Das war den Architekten sehr wichtig, weil es auf dem Land ein Stück weit Normalität ist. So baut man dort. Man fragt die Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn. Leider entsteht daraus oftmals eine Architektur mit Baumarktcharme. Aber dieses Projekt zeigt, dass es auch anders geht. Die Bedheimer haben auch Diskussionen zur Baukultur auf dem Land angeregt, es ist die Bedheimer Erklärung verabschiedet worden, die sich ganz explizit der „Land.Bau.Kunst“, wie sie es nennen, widmet. Alle Beteiligten hatten das Ziel, dem ländlichen Bauen wieder Geltung zu verschaffen. Es ging um regionales, lokales Engagement, um die Verwendung regionaler Materialen, die Rolle der Architekten und vieles andere mehr. Dieses „regionale Bauen“ ist etwas, das die IBA Thüringen fördern will. Wir wollen zeigen, dass es so etwas auch im Zeitalter der Globalisierung geben kann. 

NXT A: Regionales Bauen als Beitrag zur Baukultur in ländlichen Räumen?

Marta Doehler-Behzadi: Ja, ich glaube sogar, dass diese Form des Bauens viele Chancen bietet – und zwar für das Architekturschaffen insgesamt. Es ist sehr präzise in Bezug auf
die Bauaufgaben, auch in seinen kleinen Dimensionen. Den Entwurfsentscheidungen, was ich wo baue und womit ich baue, liegt eine genaue Auseinandersetzung mit dem Grund und Boden, dem Material, dem Zweck, der Fläche, der Umgebung zugrunde. Der ökologische Aspekt, mit regionalen Ressourcen zu arbeiten, und die innige Beziehung zur Landschaft, zum Freiraum – das ist das, was mir an dem Projekt sehr gut gefällt. 

NXT A: Das Thema der Ressourcen spielt auch beim „Timber Prototype House“ eine große Rolle…

Marta Doehler-Behzadi:: Richtig, über 30 Prozent der Fläche von Thüringen ist bewaldet. Der Rohstoff Holz hat hier Tradition. Aber als Baustoff sind seine Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. Das „Timber Prototype House“ bringt zum Ausdruck, welches Potenzial das heimische Holz als hoch­moderner Baustoff hat. Gerade in den ländlichen Räumen können hier eigene Ausdrucksmittel entstehen. Der Experimentalbau ist mit Hilfe digitaler Planungs­werkzeuge entstanden, man zitiert das Prinzip der traditionellen Blockbauweise und entwickelt es gleichzeitig weiter. Hier zeigt sich die gesamte Wertschöpfungskette – angefangen beim Wald, über die Ressource Holz, bis hin zur Planung und Fertigung und letztendlich der Entstehung einer hochwertigen Architektur. Und alles passiert auf regionaler Ebene. Das Interessante dabei ist die digitale Fertigung, die eine einfache Produktion der Bauteile in hoher Stückzahl, jedoch mit individueller Formensprache zulässt. 

NXT A: Frau Doehler-Behzadi, 2019 haben Sie mit der IBA Zwischenbilanz gezogen. Was soll letztendlich von der IBA bleiben?

Marta Doehler-Behzadi: Diese IBA verdeutlicht eines sehr stark: Es geht eben doch auf dem Land! Es kann Zusammenhalt geben, eine zeitgenössische Ausdrucksform der Architektur, eine nachhaltige Baukultur und Menschen, die offen sind, Neues zuzulassen. Hier in Thüringen und auch in anderen ländlichen Räumen stellen sich einmal mehr Fragen, wie wir uns als Gesellschaft in der Fläche organisieren und an StadtLand-Beziehungen reiben. Auf dem Land haben wir Feld und Wald vor der Tür. Hier drängen sich die Fragen förmlich auf: Wie wollen wir uns ernähren, wie das Klima schützen? Woher gewinnen wir unsere Energie? Mit welchen Materialien wollen wir bauen? Eine IBA muss sich immer daran messen lassen, ob sie Antworten auf gesellschaftlich relevante Fragen findet. Unsere große Frage ist: Wie gestalten wir eine lebenswerte Zukunft in der Provinz?

Das Interview führte Anja Koller, Editor NXT A.

 

Titelbild: Dr. Martina Doehler-Behzadi leitet die IBA Thüringen seit 2014 als Geschäftsführerin. Foto: Thomas Müller
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