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Moderne Architektur, indische Tradition und ein Architekt für die Menschen

Der Blick auf die Schaffensjahre des 1927 im indischen Pune geborenen Architekten, Stadtplaners und Lehrers Balkrishna V. Doshi ist absolut lohnenswert. Daher ist der Besuch der Retrospektive-Ausstellung „Architektur für den Menschen“ in der Münchner Pinakothek der Moderne ein Muss.

Der Pritzker-Preisträger des Jahres 2018, Balkrishna Doshi, startete nach dem Architekturstudium seine beachtenswerte Laufbahn bei und mit Le Corbusier 1951 in Paris. Auch die Arbeit mit Louis Kahn beeinflusste Doshi maßgeblich. Sein Entschluss, die westliche Moderne jedoch der Architektur Indiens nicht aufzudrängen, führte zu einer neuen Architektursprache.

Unter Berücksichtigung von Ethik, Religion, Gesellschaft, Umwelt und Klima vereint Doshi die Architekturmoderne mit Indiens Kultur, Tradition und Kontext. Das Ergebnis lässt sich sehen und machte ihn international bekannt: Mehr als 100 Projekte wie Bildungs- und Kultureinrichtungen, Siedlungen und Wohnhäuser zeugen von Doshis visionärer Stadtplanung und seinem großen sozialen Engagement. Seine Gebäude bedienen die lokalen Bedürfnisse und schaffen nachhaltige Strukturen, um die Lebensweise auszudrücken und zu verbessern. Menschen stehen bei Doshi unverkennbar und selbstverständlich im Mittelpunkt seines Arbeitsprozesses.

Khushnu Panthaki Hoof, die Enkelin von Balkrishna Doshi, kuratierte die Ausstellung „Architektur für den Menschen“ in vier Bereichen: Heimat & Identität, Hochschulgebäude, Stadtplanung, institutionelle Bauprojekte. Räumlich abschließendes Highlight bildet die begehbare Rauminstallation von Doshis eigenem Architekturbüro „Sangath“ in Ahmedabad (1980). Drei Generationen seiner Familie arbeiten gemeinsam in dem wandelbaren Atelier und nähren sich von der kreativen Quelle dieser Ruheoase. Gemäß der Bedeutung von „Sangath“ – „sich zusammen bewegen“.

Mit viel Liebe zum Detail, einer großen Portion Harmonie und Farbenfreude sowie vielen abwechslungsreichen Kunst- und Mediengattungen ist eine Ausstellung entstanden, die Sympathie, Nähe, Ruhe und Leichtigkeit vermittelt. Hektik und Materialismus werden hier belanglos.

Im aktuellen Podcast spricht Kristina Dumas mit der Kuratorin des Architekturmuseums Simone Bader. Hier geht es zum Podcast.

Anhand zahlreicher Originalzeichnungen, Modelle und Pläne, Malereien, Fotografien und Filme wird in der Retrospektive-Ausstellung  bis 19. Januar 2020 umfassend das Schaffen Doshis in den Bereichen Architektur, Städtebau, Design und Kunst gezeigt. Mehr zur Ausstellung “Balkrishna Doshi – Architektur für den Menschen”.

Text: Jessica Mankel

Titelbild: Die Form des Ompuri Tempels soll den Besucher dazu auffordern, sein »drittes Auge« zu öffnen: »Ompuri Temple«, Matar, 1998 © Courtesy of Vastushilpa Foundation, Ahmedabad. Foto: Vinay Panjwani – India