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Urban Landscape
03. Januar 2021

„Wir sind Beobachter, Strategen, Forscher und Erfinder“

NXT A rief gemeinsam mit unseren Kolleginnen von Garten+Landschaft und New Monday zu einer Umfrage auf: Welche gesellschaftliche Verantwortung müssen Planer*innen übernehmen? Eine Auswahl der Antworten stellen wir euch jetzt vor

Die Städte und ihr Umland wachsen. Gleichzeitig verändert sich unsere Gesellschaft. Sie wird älter, traditionelle Familienverbände brechen auf, und auch soziokulturell ist das Leben in größeren Städten ganz anderes als in ländlichen Regionen. Der Mangel an Wohnraum, voranschreitende Digitalisierung, Bewältigung der Mobilität, stadtökologische Folgen des Klimawandels – das alles sind Herausforderungen für die aktuelle Architektur, Stadtplanung und Stadtentwicklung. Aufgabe von Planer*innen ist es deshalb, Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Aber welche Themen sollten bei der Planung aktuell besondere Aufmerksamkeit erhalten?

Das wollten wir wissen und riefen daher gemeinsam mit unseren Kolleginnen Theresa Ramisch (Garten+Landschaft)  und Isa Fahrenholz (New Monday) im November 2020 zu einer Umfrage auf: Welche gesellschaftliche Verantwortung müssen Planer*innen übernehmen? Die Resonanz darauf war groß. Nicht einmal eine Woche nach dem Start der Umfrage lagen uns schon viele Antworten junger Planer*innen vor. Die zehn interessantesten Statements lest ihr in der Januar-Ausgabe der Garten +Landschaft – eine Auswahl davon stellen wir euch jetzt vor.

Dass Architekt*innen nicht nur die Aufgabe haben, Gebäude zu entwerfen, die einem breiten ästhetischen Anspruch entsprechen, sondern Probleme in ihr Denken aufnehmen, die innerhalb des gesellschaftlichen und politischen Diskurses von großer Relevanz sind, war Tina Zahl besonders wichtig: „Wir könnten mit unserem Können und unserer Arbeitsweise in einem viel größerem Umfang einen Beitrag zur Findung von Antworten und Erforschung von Lösungsansätzen zu gesellschaftsrelevanten Problemen leisten.“ Die Architektin aus Nürnberg wünscht sich für die Zukunft, dass sich Architekt*innen zunehmend mit interdisziplinärem Forschen auseinandersetzen sollten, um sich im Feld der Wissenschaften mehr zu etablieren und anerkannt zu werden – um so mit ihrer Profession eine bedeutendere gesellschaftliche Relevanz zu erlangen. „Im Kern sind wir Beobachter, Strategen, Forscher und Erfinder“, unterstreicht Tina Zahl. „Wir sind in der Lage Bestehendes zu hinterfragen und respektvoll, mit Mut und Innovationsgeist, Konventionen und Standards zu brechen und sie auf gesellschaftliche Bedürfnisse und Anforderungen angepasst neu zu denken und alternative Perspektiven zu erzeugen. Dabei haben wir die Möglichkeiten in der Gegenwart zu agieren und Soforteffekte zu erzielen – sind jedoch gleichermaßen daran interessiert nachhaltige und zukunftsfähige Konzepte zu erstellen.“

Doch auch der Einfluss der sozialen Verantwortung von Architekt*innen wächst. Den sozialen Werte- und Verständniswandel in der Architektur skizziert das junge Berliner Büro Into Stories „Wir müssen auch für die planen, die uns nicht bezahlen“, erklären die drei Inhaber*innen Romina Falk, Sophia Frommel und Konrad Wolf. „Wir haben die gleiche Verantwortung wie alle Mitglieder der Gesellschaft. Wir alle müssen Verantwortung füreinander übernehmen. Als Architekt*innen müssen wir uns außerdem bewusst werden, dass wir eine besondere Verantwortung tragen. Wir haben mehr Einfluss als die meisten Menschen auf den Verbrauch natürlicher Ressourcen, unsere gebaute und umbaute Umwelt, und das vor allem für zukünftige Generationen.“ Bjarke Ingels macht das bereits vor: „Ich bin auf jeden Fall davon überzeugt, dass wir die Zukunft beeinflussen können. Es ist fantastisch, ein Formgeber zu sein.“ Vor kurzem hat der dänische Star-Architekt seine Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen, auf dem man Skilaufen kann, eröffnet. Für den skandinavischen Möbelhersteller Vestre entwarf er außerdem eine Fabrik mit Schauraum inmitten eines großen Waldstücks: „The Plus“ soll höchste Ansprüche an Nachhaltigkeit erfüllen (Foto).

Text: Ute Strimmer

Nachhaltig: „The Plus“ wird aus einheimischem Holz und kohlenstoffarmem Beton mit recyceltem Bewehrungsstahl gebaut. Viktoria Millentrup, Design Lead (BIG) mit Julia Tabet. Foto: Vestre
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