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Architecture
01. Juli 2020

What‘s next?

Was Covid-19 für die Zukunft bedeutet, das steht noch in den Sternen. Wir müssen auf jeden Fall unsere Stadt und das Leben in ihr erhalten, meint Winy Maas von MVRDV

Wir wissen nicht, wie es werden wird, was noch kommt. Und so wage ich derzeit philosophische Betrachtungen, aus denen sich Visionen entwickeln lassen – bezogen auf unsere Städte und wie wir in ihnen leben. Ich persönlich liebe die Stadt, weil sie uns Qualitäten bietet, das Leben zu erleben. Wenn zu viele Leute nur von Zuhause arbeiten werden, wird das Leben in der Stadt öde, denn der Reiz der Stadt entsteht ja auch durch die Bewegung der Menschen von und zur Arbeit. Wir wissen jetzt, wie es sich anfühlt, eine Großstadt ohne Menschen, die nach der Arbeit in die Kneipe oder ins Kino gehen. Und ohne Menschen, die sich in Parks und auf Plätzen miteinander vergnügen. Und es sind auch keine Leute von außerhalb da, weil auch sie nicht kommen können. Der Puls der Stadt sind die Menschen, und ohne Menschen wird die Stadt weniger attraktiv. Wenn die Distanzen zwischen Job und Wohnort kein Problem mehr darstellen, da wir uns auf unser häusliches Umfeld beschränken, kann sich auch die Stadt ausdehnen – wie am Anfang des 20. Jahrhunderts, was heute zu einer noch größeren sozialen und ökologischen Katastrophe führen würde, die wir am Ende bedauern.

Wir müssen unsere Stadt und das Leben in ihr erhalten! Hier stellt sich auch die Frage, ob unsere Städte grün genug sind, damit wir uns entspannen und erholen können, in Sicherheit für uns selbst und andere? Wie viel gesünder wäre unser Leben, wenn wir mit dem „Green Dip“ bereits die Städte gestalten würden und somit jeder unmittelbar Zugang zum Grün hätte? Wir haben zu Beginn der Pandemie mit der Erforschung der 1,5-Meter- Gesellschaft im städtischen Maßstab angefangen. Der derzeitige Erkenntnisstand deutet nun darauf hin, dass man sich verstärkt im Innenraum anstecken kann. Und so beschäftigen wir uns jetzt in unserem Büro mit der Frage, wie wir hier ein sicheres Zusammenarbeiten ermöglichen können: Wir arbeiten von Zuhause. Psychologisch ist dies herausfordernd. Sind unsere Häuser groß genug, um Arbeit und Privatleben zu trennen? Brauchen wir größere Wohnungen?

Text: Winy Maas

Tipp: Heute Abend gibt es den ersten BAUMEISTER-Live-Talk mit MVRDV: Einer von vier Live-Talks zum BAUMEISTER curated by MVRDV auf Instagram: Schaltet Euch um 19 Uhr dazu

Titelbild: „Green Dip“ München. Foto: MVRDV