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Arts & Culture
28. Oktober 2020

Was wird aus dem Kino?

Das Kino ist ein zentraler kultureller Ort, der verschiedene Phänomene räumlich und atmosphärisch miteinander verbindet – bewegte Bilder, Ton und Musik sowie den einen oder anderen romantischen Augenblick. Zu Corona-Zeiten kommen Kinofans nur an der frischen Luft auf ihre Kosten. Im vergangenen August fand in Hamburg eine besondere Synthese statt, als ein Autokino exklusiv für radelnde Zuschauer reserviert wurde

Das Kino ist ein zentraler kultureller Ort, der verschiedene Phänomene räumlich und atmosphärisch miteinander verbindet – bewegte Bilder, Ton und Musik sowie den einen oder anderen romantischen Augenblick. Einen Film in einem großen Kinosaal zu sehen ist daher ein besonderes Erlebnis. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist klar, dass die räumliche Nähe innerhalb der platzminimierten Gänge der typischen Kinosäle und entlang ihrer funktional angeordneten Sitzreihen ein Risiko darstellt. Soziale Abstandsregeln führen jedoch dazu, daß Kinosäle nicht ausreichend belegbar sind, was sich in fehlenden Einnahmen widerspiegelt. Die Folge ist der Stillstand in einer Branche, die einen starken Wirtschaftsfaktor darstellt, von dem unzählige Arbeitsplätze abhängen. Die langersehnte Uraufführung zahlreicher Filme, seien es James Bond oder Dune, wurde schon auf das nächste Jahr verschoben. Viele Kinobetreiber wissen daher nicht mehr, wie es weitergeht. Manche geben gar ganz auf.

Dabei liegt das Kino als Ort des Geschichtenerzählens im Format Film nicht nur den Betreibern, sondern ganz besonders den Zuschauern der Filme und ebenso den Geschichtenerzählern selbst am Herzen. Christian Montillon, einer der Leitautoren der deutschsprachigen Science-Fiction Serie Perry Rhodan, postete bei Facebook:„Glaubt ihr, dass das Kino als solches überleben wird? Oder erleben wir gerade den Moment, über den man später mal singen wird: Streaming killed the cinema star? – und zwar am Wendepunkt der Corona-Pandemie, die diese Richtung begünstigt?”

Darüber entfachte sich eine durchaus hitzige Diskussion. Selbst, wenn es die Möglichkeit der Anpassung an das bestehende Risiko gibt – an was soll sich das Kino anpassen, wenn die Filme ausbleiben? Vielleicht geht ja der Trend von den großen Blockbustern wieder in Richtung Matineekino oder hin zu Formaten, die das onsite-Erlebnis im Kino mit online-Streaming daheim verbinden? Natürlich sind auch Popcorn und Nachos und Eis wichtig für das Kinoerlebnis, was nicht zuletzt mit der besonderen Atmosphäre, der großen Leinwand, der beeindruckenden Akustik und dem Raumerlebnis des Kinosaals zusammenhängt.

Wenn Alternativen gefunden werden müssen, wenn Anpassungen gelingen sollen – und vor allem, schnellstmöglich – dann ist die Resilienz des Kinos und damit sein Erfolg von zusätzlichen Ressourcen und unterstützenden Partnern abhängig. Wie ein Beispiel aus Hamburg zeigt, zur Freude der Zuschauer. Im vergangenen August fand eine besondere Synthese statt, als ein Autokino exklusiv für radelnde Zuschauer reserviert wurde. Das Kinoerlebnis im Freien konnte auf diese Weise mit urbanen Nachhaltigkeitsbestrebungen verbunden werden. Abgehalten wurde das Ganze auf dem Hamburger Heiligengeistfeld, in Kooperation zwischen dem Autokino „Bewegte Zeiten“ und dem „Bündnis für den Radverkehr“ der Freien und Hansestadt Hamburg. Unter Einhaltung der gültigen Abstands- und Hygienevorschriften bot das 1. Hamburger Fahrradkino für 1.500 Kinofans samt Drahtesel eine besondere cineastische Abendveranstaltung.

Sabine Vogt, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der bergmanngruppe, die das Autokino „Bewegte Zeiten” betreibt, erläutert die Hintergründe. Zunächst als Reaktion auf die Pandemie gedacht, ließ das Autokino die Durchführung des Kinobetriebs im Rahmen der Pandemieauflagen zu. Als die Auflagen gelockert wurden, bot sich zudem die Möglichkeit, erstmals ein Fahrradkino abzuhalten. In Kooperation mit der Stadtmarketing-Initiative „Fahr ein solidarisches Hamburg“ konnte die Kombination aus Radfahren und Kinokucken erfolgreich durchgeführt werden. Zunächst war das Fahrradkino als einmalige Aktion gedacht und das Autokino schloß Ende August planmäßig die Pforten. Eine Neuauflage ist jedoch denkbar – auch, wenn es schwer ist, in der aktuellen Lage langfristig zu planen und es notwendig ist, bei schnellen Entscheidungen erneut unterstützende Partner zur Seite zu haben. Uneingeschränkt positiv ist die Resonanz der Besucher, so Sabine Vogt: “Unsere Gäste waren so dankbar und glücklich. Sollte es eine Wiederauflage geben, würden die Gäste, die uns schätzen und lieben gelernt haben, sicher gerne wiederkommen.”

Text: Mark Kammerbauer

Fahrradkino statt Autokino. Foto: www.bergmanngruppe.de/Thomas Panzau
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