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Urban Landscape
28. August 2020

Was werden wir morgen tun?

Während wir in Deutschland während der Ausgangsbeschränkungen noch relativ Freiheiten genossen, waren Länder wie Frankreich viel restriktiver. Die Bewohner Frankreichs durften über mehrere Wochen ihre Wohnungen nur zum Einkaufen verlassen und das nur in einem bestimmten Radius. Was das sogenannte Confinement mit der Stadt und deren Bewohnern macht, untersucht nun eine Ausstellung im Pavillon de l'Arsenal in Paris. Unsere Frankreich-Korrespondentin Garance Copp hat die Schau für NXT A besucht

Während der Ausgangssperre eröffnete der Pavillon de l’Arsenal, das Pariser Zentrum für Stadtplanung und Architektur, ein Online-Forum („Et demain on fait quoi“ – Was werden wir morgen tun?). Ziel der Plattform war es, Kreativen die Möglichkeit zu geben Beiträge zu leisten, sich auszutauschen und gemeinsam die Welt nach Covid-19 zu gestalten. Seit dem 16. April 2020 konnten in diesem virtuellen Raum verschiedene Artikel, Tribünen, Zeichnungen und Projekte gelesen werden.

Seit der Wiedereröffnung sind alle eingegangenen Beiträge der Online-Plattform im Pavillon vorgestellt. Diese Ausstellung gibt den Besuchern die Gelegenheit, sich über bestehende und neue städtische Probleme, die durch die Pandemie deutlich geworden sind, auszutauschen und zu diskutieren.

Die Ausstellung versammelt über 150 Beiträge von Architekten, Studenten, Ingenieuren, Landschaftsarchitekten, Bauträgern, Immobilienfachleuten, und Stadtplanern. Sie bildet einen Korpus an spannenden, manchmal widersprüchlichen Reflexionen, die von unseren heutigen städtebaulichen Fragen zeugen. Die Beiträge sind im großen Saal des Pavillons in Form von Großdrucken präsentiert. Als Besucher kann man zwischen den Drucken umherlaufen, um die verschiedenen Reflektionen zu lesen. Die Ausstellung bietet keine konkreten Lösungsvorschläge. Viel mehr stellt sie Fragen in den Raum.

Die Covid-19-Krise war ein kollektiver Schock und ein Katalysator, der die Ungleichheiten und die Zerbrechlichkeit unserer Welt offenbarte. Sie hat auch viel über die Art und Weise, wie und wo wir leben, in Frage gestellt.

Die Architekten Alice Braggion und Alessandro Carabini fragen sich, ob unsere Häuser und Wohnungen an eine so intensive Nutzung, wie während der Ausgangssperre, angepasst sind. Mathieu Poitevin, Professor für Architektur, ist der Meinung, dass unsere Städte anders gestaltet werden sollten. Damit möchte Poiventin das Wohlergehen der Menschen und der Gesellschaft über das des Kapitals stellen. Die Unternehmerinnen Séverine Chapus und Madeleine Masse von der AREP Agentur wollen wissen, was es für eine Stadt bedeutet, wenn 17 Prozent der Einwohner von Paris innerhalb von zwei Tagen nach der Bekanntgabe der Ausgangsperre die Hauptstadt verließen. Der Planungsbeauftragter Clément Payet denkt, dass wir von der Stadtplanung der Île de la Réunion lernen können. Der Vorsitzender von der AREP Agentur, Raphaël Ménard, möchte Biodiversität und Ökologie in den Mittelpunkt der städtebaulichen Debatte stellen.

Lebensraum, Mobilität, Metropole, Solidarität, Klima, Stadt und Land, Entfernung zu anderen und zur Welt… die verschiedenen behandelten Themen fassen die wichtigsten Fragen zusammen, und geben Ansätze, diese zu beantworten.

Gleichzeitig eröffnet der Pavillon de l’Arsenal die Debatte, indem er eine Reihe von Treffen in der Öffentlichkeit und live auf sozialen Netzwerken organisiert, damit jeder sich beteiligen kann. Schließlich wird der Pavillon de l’Arsenal im Herbst all diese Beiträge veröffentlichen, damit die positiven Gedanken, Reflexionen und Erwartungen, die die Covid-Krise hervorgebracht hat, nicht verloren gehen.

Text: Garance Copp. Die Autorin hat von 2012 bis 2015 in Paris und Berlin Germanistik studiert. Seit ihrem Masterabschluss an der Universität Paris-Sorbonne in Übersetzung und interkultureller Mediation ist sie seit 2018 als freiberufliche Übersetzerin tätig.

Titelbild: Die Ausstellung im Pariser Pavillon de l'Arsenal widmet sich der Frage, wie sich die Ausgangsbeschränkungen auf Städte und deren Bewohner auswirken. Foto: Pierre L'Excellent