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Architecture
16. August 2021

Verschwundene Landschaften

Das Sich-Auflösen von Landschaften und Architekturen und damit das Verlorengehen gesellschaftlicher und kultureller Erfahrungen stehen im Zentrum der Arbeiten der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg. Das Aedes Architekturforum zeigt bis zum 9. September 2021 die Ausstellung „Ursula Schulz-Dornburg. Verschwundene Landschaften. Fotografien 1980-1998“

Die Ausstellung zeigt fünf Werkzyklen ihrer Spurensuche: Erster Zyklus sind die Felsenhöhlen syrischer Mönche an der georgisch-aserbaidschanischen Grenze. Brüchiges Land wie von Wellen überzogen, in denen sich die Eingänge in die tiefliegenden Klosterräume verbergen. Die Fotografin spricht dazu im Video.

Dann die Werkgruppe zum Irak: Das Reich der Ma‘dan war eines der ältesten zu jener Zeit noch existierenden Kulturvölker. Eine Welt aus Wasser, Himmel und Horizont. Auf kleinen Inseln die nomadisch leichten Architekturen aus Schilf. Der Fotografin war bewusst, dass die Häuser und ihre Bewohner aus politischen Gründen verschwinden werden. 1993 begann Saddam Hussein die Kultur der Ma‘dan zu zerstören, indem er die Sümpfe trockengelegt und die Menschen vertrieben hat, Wasser und Erde wurden durch angereichertes Uran für Generationen verstrahlt.

Ein dritter Zyklus der Ausstellung zeigt die Architekturen der Tana Toraja in Sulawesi mit ihren ausladenden Dächern. Im Zentrum der Fotografien steht der Reisspeicher, der Lumbung, in seiner originären Bedeutung als Ort der Gemeinschaft. Die Documenta Fifteen übersetzt seine Geschichte in Strukturen des contemporary networking. Der Lumbung als kollektiver Platz des Teilens, der politischen und kulturellen Debatte.

Die erstmals veröffentlichte Werkgruppe der Bugis Houses in Celebes bildet den vierten Zyklus. Sie waren Behausung der Reisbauern und Schutz vor der natürlichen wie auch der übernatürlichen Welt. Jedes Haus war dem menschlichen Körper nachempfunden und beinhaltete drei Welten. Der Bugis-Ursprungsmythos, der sich nicht auf ein konkretes Königreich beschränkt, findet sich am Anfang der längsten bekannten Epen der Weltliteratur. Die Publikation von Mack Books nimmt Bezug dazu und begleitet die Ausstellungspremiere.

Zum fünften Zyklus ist ein Aedes Katalog entstanden. Der Weg der Fotografin führt von Sanaa nach Mar’ib im Jemen. „Das ganze Land ein System von Zeichen“ schreibt Peter Kammerer im Katalog, dem die DVD eines Gesprächs im British Museum über frühe Kulturen im Jemen, Schrift, Empire, Archive, Forschung und europäisches Sammeln beiliegt.

Irak, Marsh Arabs 1980. Foto: ©Ursula Schulz-Dornburg
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