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Architecture
09. März 2021

Über ArchitektInnen

Unsere Kolumnistin Simone von Schönfeldt macht sich in der neuen Kolumne Gedanken über ArchitektInnen, die wahren Heldinnen der Baubranche.

In alten Filmen sind Architekten wahre Helden – dass es selten Architektinnen gibt, hatte ich ja an anderer Stelle schon einmal erwähnt. Klischees über ArchitektInnen gibt es viele: Sie tragen alle schwarz (bevorzugt Rollis), sind Einzelkämpfer, haben Stil, sind kreativ und eigensinnig … Denke ich an den letzten Deutschen Architektentag, muss ich schmunzeln – da sagte eine befreundete Journalistin zu mir, die in der Branche noch nicht so lange unterwegs ist: „Mein Gott, gibt es hier viele gut aussehende Männer!“ Ich möchte ergänzen: Es gibt übrigens nicht nur sehr viele gutaussehende, sondern auch extrem smarte Architektinnen, oder wie ich letztens hörte: „Unser bester Projektleiter ist eine Frau“. Aber jetzt genug vom Männer-Frauen-Thema.

Was sagt man noch über ArchitektInnen? Sie machen schrecklich viele Überstunden und haben nie Feierabend, ab einem bestimmten Alter schrammen alle am Burnout, schreckliche Perfektionisten – oder wie letztens jemand sagte: alles Freaks. Sie haben große Bauprojekte nicht im Griff, sind Schuld, dass unsere Steuergelder für den BER verschwendet werden …

Was mich total nervt, ist, dass in der breiten Bevölkerung irgendwie immer nur ankommt, was nicht gut läuft – viel zu selten werden tolle Projekte und super ArchitektInnen bzw. Architekturbüros gelobt. Fragt doch mal einen Nicht-Architekten, ob er/sie spontan die Namen von drei Architekturbüros nennen kann. Mh, aha, jaja. … Da sieht man große Augen und Schulterzucken. Bei drei Drogeriemarktketten würde man nicht so lange überlegen – oder sind Eure Erfahrungen da anders?

Ach, irgendwie bin ich heute auf Krawall gebürstet – liegt wohl am politischen Stufen-Öffnungsplan, der mich ratlos macht: Soll ich jetzt täglich die Inzidenz prüfen und auch noch im Blick haben, wo die in den letzten drei Tagen lag? Schnell zum Test und morgen wieder Lockdown? Lieber plane ich erst mal nichts und arbeite die Sachen ab, die eh auf meinem Tisch liegen, als Dinge anzuschieben, die dann nicht eintreten (können). Ein Tag auf dem Sofa würde insgesamt aber gut tun – im Homeoffice verschwimmt die Grenze zwischen allem und eigentlich arbeite ich ständig.

Beim Thema Sofa denke ich an eines der besten Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe: „Brüder“ von Jackie Thomae. Einer der Protagonisten ist ein international erfolgreicher Architekt, dessen Charakter so unfassbar gut beschrieben, so messerscharf durchdekliniert ist, dass ich den Roman wohl in Kürze ein zweites Mal lesen werde (was ich sonst nie tue – bis auf zwei Ausnahmen, die ich an dieser Stelle gern verrate: „Ein Gentlemen in Moskau“ und „Anna Karenina“).
Gabriel, der Architekt, führt vieles vor Augen, was wir Architekten leben, was für uns ganz normal ist bzw. von dem wir träumen – woher weiß Jackie Thomae das alles? Aus der Perspektive des Lesers auf ihn schauend, hatte ich zunächst Gefühle der Bewunderung, die dann in Mitleid und Ablehnung kippten. Kennt Ihr das Klischee, dass ein Architekt für ein gutes Projekt sofort seine Frau verlassen würde? Im Buch wird sie zwar nicht verlassen, ist aber irgendwie doch allein.

Hätten wir als ArchitektInnen die Chance, ein neues Bild von uns zu kreieren – wie sähe das aus? Wie kann man überhaupt Bilder in Köpfen verändern – und was kann Öffentlichkeitsarbeit hier leisten?

Schreibt uns gerne eure Meinung an contact.nxt-a@georg-media.de oder kommentiert auf Social Media! Wir freuen uns auf euer Feedback!

Eure Simone von Schönfeldt

Übrigens, morgen, am 10.3. sprechen wir im Career Talk #4 ebenfalls über ArchitektInnen, denn wir sind überzeugt, dass die Zukunft weiblich ist. Meldet euch jetzt hier an! 

Und am Abend geht es weiter bei Clubhouse: Simone von Schönfeldt spricht am 11.3. um 21:00 Uhr ebenfalls über Architektinnen. Hört mal rein! 

 

Simone von Schönfeldt ist Architektin, Organisationsberaterin, Baufachjournalistin und Gründerin von arbeiten übermorgen – Weiterbildung & Weiterentwicklung für Architekt*innen.

Foto: Simone von Schönfeldt
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