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Architecture
18. September 2020

Talente. Teilen. Toleranz

Im Rahmen der kommenden Munich Creative Business Week 2021 fand am 15. September schonmal das erste After Work statt: eine Architekturführung durch das neue Münchner Stadtquartier „Schwabinger Tor“. Hier steht der Sharing-Gedanke ganz oben auf der Agenda. NXT A war mit dabei

Die Munich Creative Business Week (MCBW) findet seit 2011 jedes Frühjahr in München statt und feiert im kommenden Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Nach der vorzeitigen Beendigung der diesjährigen Ausgabe aufgrund des Corona-Lockdowns haben die Organisatoren gleich weitergemacht mit der Planung der Jubiläumsausgabe im Jahr 2021, deren Auftakt am 15. September mit einem MCBW After Work begann.

Am späten Nachmittag versammelten sich die Teilnehmer auf dem großen Hauptplatz des neuen Stadtquartiers, um mehr zu Architektur und Baugeschichte zu erfahren. Steffen Warlich, Leiter Kommunikation & Marketing der Jost Hurler Gruppe – sie ist Eigentümerin des Komplexes  – hat auf dem etwa zweistündigen Rundgang Informationen zu Bau, Architektur und Konzeption des Schwabinger Tors gegeben und stand am Ende für Fragen der Teilnehmer zur Verfügung.

Das gesamte Ensemble steht unter dem Motto „Talente. Teilen. Toleranz“, womit der Sharing-Gedanke, der in unserer heutigen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt, gelebt werden soll. Die Münchner Innenstadt soll über die etwa 500 Meter entfernte Münchner Freiheit ausgedehnt werden und eine neue Urbanität im Münchner Norden konzipieren, so die Vision.

Geplant wurde das Schwabinger Tor auf dem 4,2 Hektar großen Areal an der Leopoldstraße in Zusammenarbeit mit Zukunftsforschern, um damit dem Gedanken, wie Menschen später leben und arbeiten werden, Rechnung zu tragen. Der Bebauungsplan basiert auf einem 2007 international ausgeschriebenen Wettbewerb und wurde im Februar 2009 durch den Münchner Stadtrat beschlossen. Die erste Bauphase begann im Jahr 2013 auf dem Gelände, wo ursprünglich einmal das „Schwabylon“ ein in den 1970er Jahren bekanntes Wohn – und Einkaufszentrum stand, zwischenzeitlich einen Metro-Großmarkt sowie ein Holiday-Inn Hotel beherbergte und durch die Gleise der Tramlinie 23 durchquert wird. Die Fertigstellung erfolgte nach dem zweiten Bauabschnitt zwischen 2017 bis 2019.

Auf dem Gelände finden sich Bauten von 03 Architekten, Max Dudler, Hild & K sowie Hilmer + Sattler + Albrecht Architekten, die schon jetzt die Münchner Stadtsilhouette prägen und sich im Wettbewerb gegen internationale Büros wie Foster + Partner durchsetzen konnten. Das Areal hebt sich deutlich von anderen Münchner Neubauvierteln ab und ist durch drei 14-geschossige Hochhäuser und sechs Nebengebäude, in denen mehr als 200 Wohnungen, 50 Büroeinheiten, mehreren Gastronomie- und Einzelhandelsflächen sowie einem 5-Sterne Hotel nicht zu übersehen. Inspiration für die Fassadengestaltung waren unter anderem das ein paar Kilometer südlich liegende Siegestor und die klassizistischen Fassaden der Ludwigstraße, in welche die Leopoldstraße ab dem Siegestor übergeht. Besonders die von Max Dudler entworfenen Gebäude erinnern an Architekturen der „Chicago School“ und verleihen Millionendorf München Großstadtflair.

Das gesamte Areal ist autofrei konzipiert, eine gemeinsame Tiefgarage, in der auch die quartierseigene Carsharing-Flotte für Bewohner bereitsteht, versteckt die Autos.

Bemerkenswert ist die vollständige Mischnutzung der Gebäude: Mit Ausnahme der zwei Hotelgebäude und einem reinen Bürogebäude sind ebenerdig stets Läden oder Gastronomie zu finden, während in den drei Stockwerken darüber Büroeinheiten untergebracht sind und schließlich in den oberen Stockwerken die Privatwohnungen, die damit von einem enormen Lichteinfall profitieren können. Somit soll auch die Vielfalt innerhalb des Quartiers unterstrichen werden.

Das im Privatbesitz der Jost Hurler Gruppe befindliche Ensemble legt viel Wert auf den Community-Gedanken, den die Bewohner mittels einer App leben können. In dieser App können sie mit der Hausverwaltung kommunizieren, das quartiereigene Carsharing nutzen – und vor allem auch mit den Nachbarn kommunizieren, quasi ein digitales schwarzes Brett. So soll das urbane Lebensgefühl im Quartier verstärkt werden und die Bewohner miteinander verbinden. Auch sozialen Gedanken ist Rechnung getragen, indem es am Schwabinger Tor Wohneinheiten gibt, die nach dem München Modell vergeben werden. Sozialschwache Familien können kostengünstige Wohnungen erhalten.

Besonders spannend sind zudem die Referenzen zur Kunst, die sich im gesamten Quartier finden. Schaut man etwa aus der Vogelperspektive auf die einzelnen Freiflächen, erkennt man Zitate von Werken großer Künstler wie Paul Klee oder Wassily Kandinsky – die wohl auch als Mitglieder der Bauhaus-Bewegung nicht ohne Grund ausgewählt wurden. Die Kinderspielplätze und Grünflächen sind ebenfalls an die Kunst und Kultur angelehnt, und so ist einer der Spielplätze nach dem Gedicht „Samenkorn“ von Joachim Ringelnatz inspiriert. Auch während der Bauphase machte das Schwabinger Tor mit Kunst auf sich aufmerksam: Im Rohbau fanden mehrere Kunsthappenings und Ausstellungen von Künstlerkollektiven wie dem „Easy!Upstream“ statt. Ab 2021 werden zudem für Künstler kostengünstige Atelierräume innerhalb des Komplexes bereitgestellt. Regelmäßig finden in einzelnen Räumlichkeiten Ausstellungen statt, die von jedermann besucht werden können.

Mit dem Schwabinger Tor hat die Jost Hurler-Gruppe das ehemalige Metrogelände aufgewertet und zeigt die gelungene Umsetzung von neuen Urbanitätskonzepten.

Text: Mandana Bender

Foto: Schwabinger Tor, Jost Hurler Beteiligungs und Verwaltungs GmbH & Co KG
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