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Arts & Culture
26. Juni 2020

Rund um die Uhr geöffnet

Pandemie-bedingt konnte die zweite Station der Schau „Unzertrennlich. Rahmen und Bilder der Brücke-Künstler“ in diesem Frühjahr nicht im Buchheim Museum in Bernried stattfinden. Es gibt jedoch dazu eine virtuelle Alternative und eine Publikation

Die Wirkung von Rahmen auf Gemälde wird oftmals unterschätzt. Dabei ist der passende Rahmen die perfekte Bühne für das Bild und unterstreicht dessen Aussage, wodurch Rahmen und Bild als eine Einheit zu sehen sind.

Schon Ernst Ludwig Kirchner sagte über die Wichtigkeit der Rahmen für seine Gemälde: „Ungerahmte Bilder gebe ich niemals auf Ausstellungen, das geht bei meinen Arbeiten nicht. Wenn ich etwas mache, so recht und gut als irgend möglich, sonst lieber nicht.“ 

Dieses Zitat verdeutlicht, wie wichtig Rahmen für Künstler sein können, im Besonderen für die „Brücke“ Künstler, dessen Mitglied Kirchner war: Die Gemälde waren untrennbar mit von den Künstlern selbst angefertigten Rahmen verknüpft, die damit ein Teil des eigentlichen Kunstwerks wurden. Dadurch, dass fast alle „Brücke“- Mitglieder ursprünglich Architektur studiert hatten, hatten sie einen anderen Blickwinkel und verliehen der bis dato durch den eher strengen Akademiestil geprägten Kunst einen unkonventionellen Ausdruck.

So hat Kirchner seine Werke meist nicht auf die Leinwand begrenzt, sondern auf den Rahmen erweitert, während sein Malerkollege Schmidt-Rottluff die Rahmen mit aufwendigen Schnitzarbeiten versah.

Im Laufe der Zeit wurden die Gemälde ausgerahmt und mit neuen Rahmen versehen, da Kunsthändler und Sammler die originalen Rahmen oft zu schlicht fanden. Abbildungen der Gemälde in Werkverzeichnissen oder Ausstellungskatalogen finden sich auch häufig ohne Rahmen, obwohl diese von größter Wichtigkeit waren: Die Kunst sollte nicht nur ästhetisch ansprechend in ihrem Rahmen bleiben, sondern auf das Leben hinausgreifen und die Ausdrucksformen der damaligen Zeit „unmittelbar und unverfälscht“ in die Welt hinaustragen und damit einen Übergang zwischen Kunst und Leben schaffen. Die Ausstellungen „Unzertrennlich“ bzw. „Wiederentdeckt!“ beschäftigen sich daher erstmals mit der Bedeutung und der besonderen Rolle des Bilderrahmens für die Werke der Brücke-Künstler.

Nach der erfolgreichen ersten Präsentation im Brücke Museum Berlin konnte die zweite Station „Wiederentdeckt!“ aufgrund der Corona-bedingten Schließung des Buchheim Museums in Bernried am Starnberger See, bei der neben internationalen Exponaten auch Werke aus der museumseigenen Sammlung, die wieder in ihrem Originalrahmen präsentiert werden sollten, leider nicht stattfinden.

In der Vorbereitung auf die Ausstellung begaben sich Werner Murrer und sein Team auf die Suche nach den Originalrahmen der Meisterwerke, die sie wiederfanden oder originalgetreu nachbauten. Ergänzend dazu wurde während der Ausstellungsvorbereitung ein kurzer Film gedreht, der die spannende Suche nach den Originalrahmen dokumentiert. Außerdem gibt es einen Kurzüberblick über die geplante Ausstellung und über die unterschiedlichen Rahmen, welche von den Brücke-Künstlern genutzt wurden.

Die parallel dazu erschienene Publikation „Unzertrennlich – Rahmen und Bilder der Brücke Künstler“ dient nicht nur als Ausstellungskatalog, sondern ist auch als fundiertes Nachschlagewerk zu den originalen Rahmen der Brücke Künstler zu sehen.

Text: Mandana Bender

 

 

Credits: Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller mit Pfeife (Ausschnitt), 1913, Öl/LWD, Brücke-Museum Berlin, Foto: Nick Ash
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