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Urban Landscape
07. August 2020

Risikominderung auf kolumbianisch

Die Corona-Pandemie trifft Lateinamerika hart. Drastische Ausgangsbeschränkungen sind die Folge, die die individuelle Mobilität erheblich einschränken. Eine Supermarktkette in Bogotá hat reagiert: Ein LKW als mobiler Lebensmittelladen

Die Corona-Pandemie als länderübergreifende Infektionserkrankung hat zur Folge, dass individuelle Mobilität erheblich eingeschränkt wird. In verschiedenen Nationen geschieht dies zudem auf jeweils unterschiedliche Art und Weise – je nachdem, wie auf die Krise reagiert wird. In Bogotá im südamerikanischen Kolumbien kann man damit verbundene Ausgangsbeschränkungen durchaus als drakonisch bezeichnen. So wurde das Verlassen der eigenen Wohnung zum täglichen Einkauf terminlich festgelegt und begrenzt. Der bislang selbstverständliche Gang zum Lebensmittelladen war damit bei weitem nicht mehr so selbstverständlich wie vor der Krise. Hinzu kommt, dass dieser Gang altersbedingt schon an einem normalen Tag beschwerlich genug sein kann.

Wenn nun die Kunden, krisenbedingt, nicht mehr ins Geschäft kommen können, dann kommt der Laden eben zu den Kunden. Eine Supermarktkette in Bogotá hat entsprechend auf die Situation reagiert. Ihre Lösung ist ein LKW als mobiler Lebensmittelladen. Im Kofferaufbau hinter dem Führerhaus sind Regale untergebracht, die ein essentielles Angebot beinhalten: Brot und Backwerk, Obst und Gemüse, Käse und Milchprodukte, Wurst und Aufschnitt. Eine ausklappbare Treppe führt vom Strassenniveau hinauf ins Innere. Schnell die Fahrermütze abgelegt und die Schürze umgebunden – schon können die Kunden bedient werden, mit entsprechender sozialer Distanz und schützender Maske. Auch eine Kasse gibt es; es handelt sich, marktüblich, bei dem fahrenden Laden um ein kommerzielles Unternehmen.

Womöglich ist der mobile Lebensmittelladen auch eine Reminiszenz an die früher üblichen Wochenmärkte, auf denen Landwirte ihre Produkte den städtischen Konsumenten direkt anboten, sagt Gonzalo Lizarralde. Der Architekt und Professor an der School of Architecture der Université de Montréal hat den Lebensmittellaster entdeckt, oder vielmehr seine Mutter: „Ich konnte sie für die Feldforschung gewinnen“, lacht Lizarralde, „und sie hat mir vom Einkauf berichtet.“ Von ihr stammt übrigens auch das Foto des fahrenden Ladens. Tatsächlich stellt die Versorgung mit Lebensmitteln eine nicht zu unterschätzende Herausforderung im Rahmen der Pandemie dar, die es weiter zu beobachten gilt, so Lizarralde. Versorgungsengpässe in städtischen Milieus, deren Bewohner von sozialer Verwundbarkeit betroffen sind – dazu gehören Senioren – könnten durch mobile Lösungen risikomindernd behoben werden.

Text: Mark Kammerbauer

 

Titelbild: Mobiler Lebensmittelladen in Bogotá. Foto: privat