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Project Stories #1: A behind the scenes look at architecture by NXT A

Auch im Home Office geht der Architektenalltag weiter – Pläne müssen gezeichnet, Abgaben fertiggestellt und Baustellen koordiniert werden. NXT A fragt nach, wie es sich im Home Office anfühlt und welche Projekte anstehen. In unserer neuen Serie „Project Stories“ berichten Architekten und Architektinnen über ihren Alltag. Ege Baki vom Stuttgarter Büro Von M hat uns jetzt schon verraten, was man für die Zeit nach Corona mitnehmen kann

Ist es nicht eine total schöne Vorstellung von zu Hause zu arbeiten, superflexibel zu sein, nebenbei die Wäsche anzustellen und die Schornsteinfegerin rein zu lassen? Und plötzlich macht ausgerechnet Covid-19 Homeoffice möglich. Was immer als technisch schwer machbar, ineffizient und kompliziert galt, musste von heute auf morgen funktionieren. Und siehe da: Es funktioniert – sogar viel besser, als ich gedacht hätte.

Der große Traum vom Home Office

Da der Arbeitsweg wegfällt, fängt der Tag nun für mich mit einer kleinen Joggingrunde im Wald an. Ist zwar noch ganz schön frisch, morgens um sieben – dafür sind auch die Gedanken danach umso frischer. Dann geht es auch direkt los: Pläne erstellen, planerische Abstimmungen einarbeiten, die Bauherrschaft zu den richtigen Entscheidungen bringen, manche Fachplaner etwas drängen, Verzug und Behinderungen anmelden. Alles wie gehabt nur eben von Zuhause. Selbst die Entwurfspräsentation letzte Woche ging ganz ohne zweistündige Hin- und Rückfahrt. Da zu dem Zeitpunkt noch nicht alle mit Zoom ausgestattet waren, habe ich kurz vorher die Präsentation als PDF verschickt. Anhand der Seitenzahlen konnten wir uns relativ problemlos orientieren. Selbst die gute alte „Telefonspinne“ kam wieder zum Einsatz und hat ihren Dienst geleistet. Der Vorteil ist, dass man zwischendurch den Ton mal auf stumm stellen kann, um sich intern abzusprechen.

Abgesehen von immer wieder auftauchenden Verbindungsproblemen mit dem Server – wie auch jetzt gerade, weswegen ich die Zeit nutze, um diesen kleinen Einblick zu geben – merke ich, dass ich tatsächlich die Zeit an meinem Schreibtisch viel effektiver nutze. Die Annahme, man sei Zuhause nicht so produktiv, wie im Büro bestätigt sich bei mir ganz und gar nicht. Bis jetzt habe ich das Gefühl, dass ich mehr erledigt bekomme als im Büro mit 20 anderen Menschen neben mir und mindestens drei klingelnden Telefonen.

Der Austausch mit meinen Kollegen und Kolleginnen fehlt mir natürlich sehr und der gemeinsame Kaffee in der Küche fällt leider auch gerade flach. Doch dank diverser Video – / Kommunikationsmöglichkeiten kann ich dies zumindest ein bisschen kompensieren. Aber ganz ehrlich, das Gleiche ist es nicht. Auch unser wöchentliches Teammeeting Montag morgens läuft zurzeit digital ab. Ganz vorne auf der Sehnsuchtsliste steht natürlich die hervorragende Kaffeemaschine in der Büroküche und die Tischtennisplatte in der Garage. Zu allem Übel wurden letzten Sonntag, als ich mit Tischtennisschläger ausgerüstet an der Platte stand, just die Tische vom Ordnungsamt abgesperrt. Ich hatte gehofft, der Abstand zu den Tischtennisgegnern sei groß genug. Aber das sahen die Behörden leider anders.

Den langersehnten Feierabend als wirklichen Feierabend einzuleiten fällt wiederum schwer – der Computer ist dann doch noch etwas länger an und man könnte ja nach dem Abendessen noch schnell schauen, ob nicht doch noch eine wichtige E-Mail reingekommen ist. Da muss ich wohl noch an meiner eignen Disziplin arbeiten.

Im Großen und Ganzen hoffe ich, dass das uns das eine oder andere aus der Situation erhalten bleibt. Zum Beispiel, dass wir in Zukunft eigenverantwortlich abwägen können welche Tätigkeit wir wann und wo am besten erledigen können.

…so jetzt schaue ich mal, was die Verbindung zum Server macht.

Schöne Grüße aus dem Home Office,
Ege

 

Zur Autorin

Nach einer Schreinerlehrer studierte Ege Baki Architektur an der ETH Zürich, der TU Berlin und Sint Lucas in Gent. Derzeit arbeitet sie bei Von M Architekten in Stuttgart.

Titelbild: Nach der morgendlichen Joggingrunde durch den Wald, geht es für Ege Baki an den heimischen Schreibtisch. Foto: Julius Schweyer
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