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Sustainability
02. Oktober 2020

Notbetten aus Pappe

Forscher der Technischen Universität Dresden entwickelten umweltfreundliche Möbel aus nachwachsenden Rohstoffen im Rahmen des Forschungsprojekts „AidBoards“ für humanitäre Hilfseinsätze

Wenn in humanitären Katastrophen Notunterkünfte oder Krankenhäuser errichtet werden, brauchen Helfer schnell eine große Anzahl von Betten. Als sich im Jahr 2014 eine Tischlerei aus Crottendorf an den Lehrstuhl für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik der Technischen Universität Dresden wendet, weil sie ihre Maschinen auslasten und Produktionsreste verwerten will, nahm sich Diplom-Ingenieur und Produktgestalter Sven Gille der Aufgabe an. Als er Bilder der Ebola-Epidemie sieht, fragte er sich, was mit den Feldbetten nach der Seuchenpandemie passiere. Laut einer UN-Vorschrift müssen Hilfsorganisationen zurückgelassenes Material entsorgen. So wird Abfall in humanitären Notlagen zu einem großen Problem. Gemeinsam mit seinen Kollegen startet Sven Gille das Forschungsprojekt „AidBoards“. Sie entwickeln medizinische Einwegbetten aus Pappe, die sowohl nachhaltig in der Herstellung als auch in der Entsorgung sind.

Die ersten Experimente erfolgten mit Holz, doch Pappe erweist sich als das bessere Material. Pappe ist zwar weniger haltbar, dafür kostengünstiger, leichter und nachhaltiger als Holz. „Wir haben uns sehr hohe Ansprüche gesetzt. Ein Jahr lang haben wir die Konstruktion immer wieder geändert“, erzählt Gille. Doch das Ergebnis lässt sich sehen: Ein zwei Meter langes und ein Meter breites Bett, dass als Steckset so klein und kompakt wie möglich in Katastrophengebiete verschickt werden kann. Der Aufbau gestaltet sich unkompliziert und ganz ohne Werkzeuge. Nach dem Gebrauch können Helfer das Einwegbett recyceln, kompostieren oder verbrennen.

Von 2018 bis 2020 wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Neue Produkte für die Bioökonomie“ gefördert. Projektpartner waren ein sächsischer Medizinprodukte-Hersteller, ein Logistikberater für humanitäre Hilfe und der Verpackungsproduzent THIMM. Noch in diesem Jahr sollen die Betten auf Basis des Prototyps auf den Markt kommen. Hierfür wurde bereits im Oktober 2019 das Start-up „corrugAid“ gegründet, um die Kompetenzen für Herstellung, Vertrieb und Gestaltung zu bündeln. Der Verpackungsproduzent THIMM übernimmt die alleinige Führung, doch die TUD-Forscher unterstützen das Start-up weiterhin mit ihrem Wissen.

Der Lehrstuhl für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik forscht weiter an nachhaltigen Produkten aus Pappe. Die neuen studentischen Projekte beschäftigen sich mit Stühlen, Tischen und sogar OP-Tischen aus Pappe für den Katastrophenschutz.

Text: Valentina Grossmann

Preiswert, schnell aufzubauen und recycelbar: Die neuen Einwegbetten aus Pappe. Foto/Modell: Sven Gille / TU Dresden
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