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Arts & Culture
04. August 2021

Museen als Klimasünder

Von der Hitze der Stadt in den kühlen Ausstellungsraum - eine Wohltat. Allerdings sind es vor allem die Klimaanlagen, die Museen zu Klimasündern machen, betont Stefan Simon, Leiter des kunsttechnologischen Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin

„Wir wissen, dass wir auf eine Wand zufahren“, stellt Stefan Simon fest. Bereits jetzt nehmen die Energiekosten der deutschen Museen in Deutschland ein Viertel bis ein Drittel ihrer Budgets ein. Tendenz steigend: Aufgrund des Klimawandels werden die Kosten für die Klimatisierung noch weiter anziehen, vermutet Simon.

Deshalb hatte er in einem offenen Brief an das Kulturstaatsministerium mit anderen Expert:innen und Museumsdirektoren letztes Jahr eine Klima-Taskforce angeregt. „Die Museen selber sind weder personell noch fachlich aufgestellt, ihre Klimabilanz selbständig zu verbessern“.

Auf den Appell hin schlug der Bund einen Round Table vor, gemeinsam mit Ländern und Kommunen. Stefan Simon reicht das nicht: „Wenn wir die realen Bedingungen draußen vor unserem Fenster sehen, ist das unzureichend“. Andere Länder seien in Sachen Klimaschutz schon wesentlich weiter: In England etwa verpflichteten sich jüngst nach einem Aufruf der Tate Gallery mehrere Kultureinrichtungen, bis 2023 den CO2-Ausstoß um zehn Prozent zu reduzieren.

„In Deutschland ist ein solcher Schritt überfällig“, mahnt Simon. Alleine die Staatlichen Museen zu Berlin benötigen im Jahr etwa 70 Millionen Kilowattstunden für ihre Betriebskosten. Simon hat berechnet, dass sich für die Museen aus den ungefähr 30.000 Tonnen CO2-Emissionen – legt man einen Zertifkatspreis von 40 Dollar pro Tonne zugrunde – Kosten von 1,2 bis 1,5 Millionen Dollar ergäben, wenn sie zahlungspflichtig wären. „Hier beginnt es für viele Museen ungemütlich zu werden, da sie diese Gelder schlicht und einfach nicht haben“.

Anstatt Bestandsbauten zu sanieren, werden weltweit ständig neue Museen aus Materialien wie Glas und Stahl gebaut, die eine Menge an grauer Energie verschlingen, beklagt der Direktor des Rathgen-Forschungslabors. Auch die Berliner Neubauten könnten aus bauphysikalischer und energetischer Sicht noch verbessert werden. Ratschläge hierzu hat er auch parat: „Mit einer guten thermischen Kopplung an den Untergrund etwa oder einem geringen Luftaustausch kann man den Energiegebrauch deutlich runterfahren.“

Text: Inge Pett

Stefan Simon, Leiter des kunst­technologischen Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin fordert mehr Nachhaltigkeit. Foto: Unsplash/Ioana Cristiana
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