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Arts & Culture
08. Januar 2021

Marta Margnetti ist die Preisträgerin des Manor Kunstpreis 2020

2020 ging der Manor Kunstpreis Tessin an die Künstlerin Marta Margnetti. Ihre Arbeiten weisen oft eine spannende Beziehung zur umgebenden Architektur auf und treten auch mit dieser in Dialog. Noch bis Mitte Februar sind ihre Arbeiten im MASI (Museo d'arte della Svizzera italiana) in Lugano ausgestellt

Der Manor Kunstpreis soll junge, noch nicht bekannte Kunstschaffende aus der Schweiz fördern und deren Arbeiten eine breiten Öffentlichkeit vorstellen. Der Preis wurde im Jahr 1982 anlässlich der Wiedereröffnung des Nordmann-Warenhauses in Luzern von dem Eigentümer Philippe Nordmann initiiert. Mittlerweile firmiert Nordmann unter dem Namen Manor (eine Zusammensetzung aus den Namen der Eigentümerfamilien Maus und Nordmann) und gilt als einer der wichtigsten Förderpreise zeitgenössischer Kunst in der Schweiz.

Eine Fachjury, bestehend aus Museumsdirektor*innen sowie weiteren Fachleuten aus der Kunstszene wählt jährlich die Preisträger aus verschiedensten künstlerischen Strömungen wie Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Video, Installationen oder Performance- und Konzeptkunst, aus. Besonders am Manor Kunstpreis ist, dass von einer kommerziellen Verwertung des Preises vollständig abzusehen ist. Der Preisträger oder die Preisträgerin erhält ein Preisgeld und das Unternehmen erwirbt ein ausgewähltes Werk und finanziert eine Ausstellung im Kunstmuseum der jeweiligen Stadt.

Zahlreiche Preisträger sind später zu großer internationaler Bekanntheit gekommen, wie etwa Silvia Bächli (Preisträgerin 1990), Julian Charrière (2014) oder Pippilotti Rist (1994).

Ende November 2020 wurde der Manor Kunstpreis Tessin an die Künstlerin Marta Margnetti (*1989), verliehen, die sich mit ihren Werken zwischen angewandter Kunst, Design und Handwerk bewegt. Sie nutzt unterschiedliche Techniken wie Bildhauerei, Drucke, Aneignung oder Performance. Dadurch weisen ihre Arbeiten oft eine spannende Beziehung zur umgebenden Architektur auf und treten auch mit dieser in Dialog. Durch die modulare, leicht minimalistische Formensprache und geometrische Perfektion ihrer Arbeiten entsteht ein Spannungsfeld zu ihren manuellen Eingriffen in die jeweiligen Werke, die vom Betrachter als kleine, willkürliche Fehler wahrgenommen werden.

Ihre Werke sind aktuell in der Ausstellung „und plötzlich von einer Kraft geschüttelt“ im Museo d’Arte della Svizzera Italiana (MASI) in Lugano zu sehen, in der Ausstellung führt sie die Besucher*innen durch ein imaginäres Haus:

Man begibt sich dabei als Besucher auf neue Pfade, was sich schon daran zeigt, dass man in einem Raum zweihundert an der Wand verteilte Bronze-Zikaden sehen kann. Das Haus ist ein sehr privater Raum und kann auch in die Seelen des oder der Bewohner schauen lassen. Margnetti greift dies auf und stellt sich in der Ausstellung den Fragen: Inwiefern können Wohnorte auch Zufluchtsorte unser Fantasie oder Traumwelt sein? Wie korrespondieren wirkliche und imaginäre Orte? Margnetti nutzt in ihren Arbeiten oft auch Baumaterialien, um stets den Bezug zur Realität und zum Alltag herzustellen. Sie erfahren jedoch in ihren Arbeiten eine Verfremdung und Kontextverschiebung, indem sie mit natürlichen, organischen Materialien kombiniert werden: So hängen an den Türen des imaginären Hauses in Wachs getränkte getrocknete Pflanzen an überdimensionalen Ketten und wirken fast surreal.

In der gesamten Ausstellung findet sich der ambivalente Charakter der Exponate wieder: Wie etwa bei „Regalen“ aus Metall, die an den Ecken plötzlich zu Köpfen werden oder sich zu an Pflanzen erinnernde Elemente auffächern.

Der Betrachter erkennt, dass sich die Werke von Margnetti zwischen Gegensätzen wie fremd und vertraut oder abstrakt und figurativ bewegen, was eine faszinierende und gleichzeitig auch verunsichernde Spannung erzeugt.

Das Thema Wohnen betrifft jeden von uns, ist jedoch kulturell stets mit unterschiedlichen Dingen verbunden. Gerade das vergangene Jahr 2020, was davon geprägt war, möglichst viel zuhause zu sein, hat dem Wohnen eine neue Aktualität verliehen.

Dies zeigt sich auch in der Ausstellung: In einem Raum sieht man an Architekturmodelle erinnernde Hausskulpturen, die auf Träumen der Künstlerin basierten und welche sie aus ihrer Erinnerung rekonstruiert hat. Für Margnetti ist Wohnen etwas transitorisches und sei stets mit der Idee eines Kollektivs verbunden und gar nicht an einen bestimmten Ort. Für sie sei ein Haus kein abgeschlossener und kompakter Ort, sondern ganz im Gegenteil fragmentarisch und zerstreut. Deswegen hat sie auch die Objekte der Ausstellung als Fragmente erzeugt, wodurch die BesucherInnen die Werke individuell erfahren können.

Noch bis Mitte Februar 2021 kann ihre Ausstellung im Palazzo Reali (Via Canova 10, 6900 Lugano) angesehen werden. Für aktuelle Informationen zu den Öffnungszeiten schaut auf www.masilugano.ch vorbei.

Text: Mandana Bender

2020 ging der Manor Kunstpreis an die Künstlerin Marta Margnetti. Foto: Marta Margnetti, MASI Lugano; Marta Margnetti, Studio Foto 2020 © Yimei Zhang
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