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Architecture
06. August 2021

Landmark, Landschaft, Universum

In Odense eröffnete am 30. Juni 2021 das H.C. Andersens Hus. Der Entwurf zu dem Museum stammt vom japanischen Architekten Kengo Kuma. Gemeinsam mit dem Museumsteam präsentierte er das Konzept der Presse

„Literatur und Architektur haben viel gemeinsam“, sagt Kengo Kuma. „Beide versorgen die Menschen mit Träumen“. Wenn sich dann noch das Literarische und das Architektonische in einem Projekt verbinden, ist Träumen vorprogrammiert.  Am 30. Juni 2021 eröffnete in Odense das dem berühmten dänischen Schriftsteller gewidmete H.C. Andersens Hus. Kuma verabschiedet sich dabei von der Idee des Museums-Solitärs. „Im 21. Jahrhundert sind monumentale Museen nicht mehr zeitgemäß“, meint der international renommierte Architekt. Stattdessen verspricht er im Geburtsort des berühmten dänischen Schriftstellers einen Ort, der gleichermaßen „Landmark, Landschaft, Universum“ ist.

Zwei Drittel des mit lokalen Baustoffen errichteten Museums liegen unter der Erde, wobei eine Holz-, Glas- und Betonkonstruktion für weiches Licht sorgt. Über den Museumsräumen erstreckt sich ein öffentlicher Park mit vier Gärten. Das Eigenleben der Natur spielt im Konzept eine entscheidende Rolle, wobei Kuma die Spannung zwischen Struktur und Chaos, zwischen Innen und Außen gezielt einsetzt.

Zu den metaphorisch aufgeladenen Orten zählt ein See, zu dessen Oberfläche die Besucher:innen von einem der unterirdischen Museumsgebäude aus aufsehen können. Assoziationen an das Märchen der kleinen Meerjungfrau, einer der berühmtesten Figuren Andersens, werden hier geweckt. Auch Besucher:innen sehen die Welt über dem Wasser aus einer neuen Perspektive. Im Wandel der Jahreszeiten verändert sich Lichtverhältnisse und Farben: Im Herbst wirbelt buntes Laub über die Wasseroberfläche, im Winter wird sie zur Eisschicht.

„Ich möchte nicht über Andersen, sondern wie Andersen kommunizieren“, betont Kuma. In seinem Konzept verzichtet er daher bewusst auf Hierarchien und Zentren. „Diese Ambiguität spiegelt sich im Design“, erklärt Yuki Ikeguchi. Die Projektleiterin von Kuma & Associates verweist auf die Bedeutung des Spiels zwischen Licht und Dunkelheit und zwischen Schwarz und Weiß in allen möglichen Schattierungen. Als Stilmittel symbolisiere vor allem die Arabeske die Abwesenheit von Moral und Hierarchie.

Ebenso verkörpern durch Hecken getrennte Kreise im „Magischen Garten“ den vom Architekten beabsichtigen Zustand des „In Between“. „Im einen Augenblick wähne ich mich im Kreis, dann schlüpfe ich unvermittelt nach außen“, so Ikeguchi. Im Inneren setzt sich das Konzept fort: Eine ausgeklügelte Navigation führt die Besucher:innen über eine lange Rampe langsam in das mit High Tech ausgestattete Innere. Henrik Lübker, Kreativdirektor des H.C. Andersens Hus, versteht das Museumskonzept als ein Gesamtkunstwerk. „Sowohl die Kultur, als auch die Architektur und Landschaft verwischen die Linien: Außerordentliches findet sich im Gewöhnlichen und Kleines wird Groß.“ Ganz so wie in Andersens Märchen.

Text: Inge Pett

Rendering, Copyright: Kengo Kuma & Associates, Cornelius Vöge, MASU planning, mir.no
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