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Architecture
05. März 2021

Ist das ein Haus oder kann das weg?

Das Postulat im BDA-Positionspapier Das Haus der Erde ist eindeutig: „Dem Erhalt des Bestehenden kommt Priorität zu.“ Für den BDA ist dieses Postulat angesichts der Klimakrise der neue Imperativ des Bauens. Im Umgang mit den Bauten der Nachkriegsmoderne benötigen wir einen Paradigmenwechsel weg vom Abbruch, hin zum Erhalt des Bestehenden. Alt ist das neue Cool! Ab 11. März 2021 wird auf BDAtalk zum Thema diskutiert

Brandschutzertüchtigung, Nutzungsänderungen, Generalsanierung. Kommen diese Forderungen auf die Bausubstanz der 1950er bis 1970er Jahre zu, wird allzu oft auf die „Wirtschaftlichkeit“ verwiesen und es erfolgt der Abbruch. Aber ist es wirklich nur die unzulängliche Bausubstanz, die eine energetische Ertüchtigung, den Umbau oder die Sanierung des Bestandes unmöglich erscheinen lässt? Oder fehlt bis heute die Akzeptanz und Sympathie für diese Epoche?

Graue Energie zählt nicht, der Denkmalschutz schützt nicht. Das unter Schutz stehende Verwaltungsgebäude der Firma Osram in München, beispielgebender Verwaltungsbau des Jahres 1965 von Walter Henn und Dieter Ströbel, wurde zugunsten neuer Wohnbebauung abgerissen. Dem Rathaus in Ahlen von Parade und Parade Architekten wurde der durch die Denkmalpfleger ersehnte Schutz verwehrt, ein Bürgerentscheid votierte für den Abbruch. Akut gefährdet ist auch das ehemalige Gesundheitsamt der Stadt München.

Nach der Zwischennutzung durch das „Museum of Contemporary Art“ soll es abgebrochen und neu gebaut werden. Die Generalsanierung käme vermeintlich teurer. Nehmen wir aber die Notwendigkeit des Handelns im Zusammenhang mit dem Klimaschutz ernst, muss zukünftig der Gebäudebestand bevorzugt, auch als Zeitzeugnis erhalten, und experimentell, innovativ und reduktiv weiterentwickelt werden. Der Mut und die Experimentierfreude der Nachkriegsmoderne kann dabei durchaus inspirieren.

Es äußern sich u.a. Annemarie Bosch (Architektin und Stadtplanerin, Erlangen), Prof. Lydia Haack (Architektin und Stadtplanerin in München sowie Professorin für Entwerfen und Konstruieren an der HTWG Konstanz), Christina Patz (Architektin und Ener-gie-Effizienz-Expertin, Architects for Future, Koordinatorin AG Bauen im Bestand), Prof. Muck Petzet (Professur „Sustainable Design“, USI, Accademia di architettura Mendrisio), Prof. Mathias Pfeil (Generalkonservator BLfD), Robert Rechenauer (Architekt und Stadt-planer, München) und Marion Resch-Heckel (Architektin und Mitglied des Landesdenk-malrats).

BDAtalk ist ein interdisziplinäres Online-Diskussionsforum, auf dem kontinuierlich aktuelle sowie übergeordnete Themen zum Baugeschehen in Bayern thematisiert und debattiert werden. Die Debatten vernetzen Themen und Akteure miteinander, intensivieren den Erfahrungsaustausch und sensibilisieren für eine qualitätvoll geplante und gebaute Umwelt. Mit 100.000 Seitenaufrufen jährlich ist BDAtalk, das 2015 vom Bund Deutscher Architekten BDA Bayern ins Leben gerufen wurde, inzwischen zu einem fundierten Wissensspeicher geworden.

Ehemaliges Gesundheitsamt, Dachauerstraße, München. Foto: Robert Haas
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