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Architecture
13. Dezember 2019

Heimspiel

Im Münchner Büro von Hild und K hat NXT A diese Woche zu einem entspannten Kamingespräch eingeladen. Nach einer Büroführung sprachen wir über Baukultur, über Ausbildungswege und die Zukunft der Arbeit von Architekten. Das Kamingespräch moderierte die Münchner Architekturjournalistin Eva Herrmann

Allein schon der Besuch der Büroräume von Hild und K in München-Ludwigsvorstadt hat sich gelohnt. Denn die 
Architekten arbeiten im Lindwurmhof – einem Gebäudekomplex aus der Prinzregentenzeit, der eine stilistisch-architektonische Synthese aus traditionellen Dekorelementen und damals modernster Bauweise gefunden hat. Das einstige Kontor- und Lagerhaus nach Hamburger Vorbild direkt am Bahndamm der ehemaligen Königlich Bayerischen Südbahn ist 
heute denkmalpflegerisch vorbildlich saniert und hat sich zu einem Kreativquartier entwickelt. Geht man durch den ersten Innenhof, findet man gleich im zweiten Aufgang oben die großzügigen Räume mit Loftcharakter von Hild und K.

Das Büro entwirft Gebäude, die durch eigenen Charakter bestechen, anstatt sich der zeitgenössischen Architektur anzupassen. Sanierung und Bauen im Bestand sind ein Spezialgebiet der Architekten – ihr Credo lautet: „Architektur kommt bei uns nicht von der Stange.“ Gegründet wurde das Büro 1992 von Andreas Hild und Tillmann Kaltwasser. Andreas Hild, der seit 2013 auch eine Professur für Architektur an der TU München innehat, führt es heute gemeinsam mit seinen beiden Partnern Dionys Ottl und Matthias Haber. Eine Dependance gibt es seit dem Umbau des Bikini-Areals in Berlin. In München dürfen wir mit unseren 15 Teilnehmern – eine Architekturstudentin und ihr Kommilitone sind für den Termin sogar aus Regensburg gekommen – hinter die Kulissen schauen. Als Erstes bekommen wir eine Büroführung. Die Räume sind hell, hoch und luftig und bieten viel Platz zum Denken, zum Ausprobieren und Entwickeln. Die Aufteilung ist nach Gruppen sortiert: Die Architekten, die meistens zusammenarbeiten, sitzen auch zusammen, erklärt Dionys Ottl. „Bei uns ist es nicht so, dass sich morgens jeder Mitarbeiter erstmal seinen Arbeitsplatz erobern muss.“ Weil das Verschneiden der Informationen gar nicht so einfach ist, arbeitet man bei Hild und K in Großraumbüros – trotz der Akustik.
Die Arbeitsplätze sind auf einer Ebene in zwei große offene Bereiche zusammengefasst, räumliche Hierarchien gibt es bis auf das Chef­büro nicht. Arbeiten im Team wird großgeschrieben: „Eines der wichtigsten Dinge ist der Informationsfluss“, betont Dionys Ottl.

Im Münchner Büro sitzt auch die Arbeitsgruppe, die die Neue Pinakothek in einem Großprojekt gemeinsam mit Kollegen von Caruso St John Architects aus London saniert. „Hier haben wir wieder eine Schnittstelle mehr in der Kommunikation“, führt Dionys Ottl weiter aus. „Die Runden werden immer größer. Wir skypen viel mit London und Berlin. Alle Projekte laufen auf dem Bildschirm. Was wir besprechen, wird immer dokumentiert, das ist sehr hilfreich.“ Der Konferenzraum ist häufig in Benutzung.

Bei Hild und K wird sich aber nicht nur um gute Kommunikation gesorgt, sondern auch um arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeiten: Bei unserem Treffpunkt im Büro ist es 19:00 Uhr, und Dionys Ottl freut sich: „Ich bin ganz stolz, dass hier jetzt kaum jemand mehr sitzt und arbeitet.“ Andreas Hild betont, dass die relativ niedrige Überstundenquote Teil einer politischen Haltung ist: „Die Architektur muss aus den Produktionsbedingungen entstehen, die die Gesellschaft der Architektur bietet – und dazu gehört eine 40- Stunden-Woche.“ Und wie produktiv das Büro dennoch ist, hören wir bei dem anschließenden Kamingespräch in der Bibliothek. Den Talk moderiert die Münchner Architektin und Architekturjournalistin Eva Herrmann, die sich bereits 
in mehreren Essays mit den Arbeiten von Hild und K auseinandergesetzt hat. Über 50 Projekte hat das Büro in den letzten dreißig Jahren realisiert, resümieren Andreas Hild und Dionys Ottl im Gespräch. In der Münchner Innenstadt, am Marienplatz, kann man einige Häuser von Hild und K innerhalb einer Stunde zu Fuß ablaufen. „Wir haben eine gewisse Spezialisierung auf Umbau, Bauen im Bestand oder Baulücken“, erklärt Andreas Hild. „Die Verlinkung zum Denkmal war schon immer unser Steckenpferd“, fügt Dionys Ottl hinzu. „Ob diese DNS allerdings schon immer da war, wir sie erarbeitet oder wir sie gesucht und gefunden haben – das lässt sich nicht so genau nicht sagen.“

Jeder von Hild und K entworfene Bau sieht anders aus, weil er ganz speziell für den jeweiligen Kontext und dessen individuelle Charakteristika entwickelt wird. Die Bauherren kommen nicht immer mit konkreten Vorstellungen. „Viel von dem, was wir tun, ist Beratung“, erläutert Andreas Hild. „Wie gehe ich mit dem Denkmal um? Wie kann ich die Zielerwartungen genehmigungsfähig bekommen? Nachdem wir ein Büro sind, das den Dialog sucht, nähern wir uns unseren Projekten mit Ideen an.“

Text: Ute Strimmer

NXT A besuchte diese Woche das Münchner Büro von Hild und K. Foto: NXT A
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