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Architecture
15. Januar 2021

Gesellschaftlicher Auftrag, politische Funktion und stadtgestalterische Aufgabe

Kunst am Bau ist als Auftragskunst Bindeglied zwischen Architektur, Kunst, Politik und Stadtgestaltung. Dass sie in Deutschland schon eine lange Tradition hat und seit den 1920er-Jahren ein reiches baukulturelles Erbe hervorgebracht hat, zeigt die Publikation „Kunst am Bau in der DDR“. Diese dokumentiert das erste wissenschaftliche Symposium zu diesem Thema anlässlich des Jubiläums „70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland“ im vergangenen Jahr

Kunst am Bau ist das Bindeglied zwischen Architektur, Kunst, Politik und Stadtgestaltung. Sie hat in Deutschland eine lange Tradition, die bis in die 1920er zurückreicht. Am Anfang stand ein Förderprogramm: Um die finanzielle Not der Künstler nach dem Ersten Weltkrieg zu lindern, hatte der Reichswirtschaftsverband angeregt, Künstler bei Bauprogrammen der Reichs- und Länderregierungen zu beteiligen

Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1952, erließ die Deutsche Demokratischen Republik die „Anordnung über die künstlerische Ausgestaltung von Verwaltungsbauten“: Kunst am Bau wurde zum kulturpolitischen Aushängeschild, in die der Staat ein bis zwei Prozent der Baukosten von Regierungs- und Parteibauten sowie Volkseigenen Betrieben, Hochschulen und Kulturhäusern investierte.

Der Kunst kam dabei die Funktion zu, politische Inhalte zu transportieren und das Bild einer idealen Gesellschaft zu zeichnen. Ab Mitte der 1960er Jahre rückte die Kunst am Bau dann in den Kontext einer komplexen Umweltgestaltung. Neben Skulpturen, Brunnen, Glasgestaltungen und dekorativen Bauelementen blieb dabei das volksnahe Wandbild die zentrale Kunstform, um propagandistische Botschaften zu vermitteln. Themen des sozialistischen Realismus waren unter anderem Frieden und Völkerfreundschaft, die Verbundenheit mit der Sowjetunion oder technischer Fortschritt.

Nach der Wiedervereinigung verlor ein Großteil dieser Werke seinen ursprünglichen Deutungszusammenhang, viele Arbeiten zudem ihr angestammtes architektonisches Umfeld: 40 Prozent der Werke aus DDR-Zeiten fielen zusammen mit den Gebäuden der Abrissbirne zum Opfer. Damit ging für viele ehemalige DDR-Bürger auch ein Stück Identität unwiderruflich verloren.

Mit zahlreichen Veranstaltungen würdigte die Bundesregierung 2020 sieben Jahrzehnte Kunst am Bau und auf 30 Jahre Wiedervereinigung. Den Auftakt bildete im Januar 2020 das Symposion „Kunst am Bau in der DDR – gesellschaftlicher Auftrag, politische Funktion, stadtgestalterische Aufgabe in Berlin.“ Veranstalter waren das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Die beteiligten Experten setzen sich ästhetisch und inhaltlich mit den verschiedenen Facetten der Kunst am Bau in der DDR auseinander.

Dass diesem international einzigartigen Bestand ein Platz in der Kunstgeschichte sowie im allgemeinen kulturellen Bewusstsein gebührt, ist eine der Quintessenzen dieses vielfältig fachkompetent besetzten Symposiums. Der Tagungsband ist im Deutschen Kunstverlag erschienen.

Text: Inge Pett

 

Ute Chibidziura, Ute/Marlin, Constanze von (Bearb.), Kunst am Bau in der DDR. Gesellschaftlicher Auftrag – Politische Funktion – Stadtgestalterische Aufgabe, hg. vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), Deutscher Kunstverlag, Berlin 2020

„Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens“ (1964): in Werk des Künstlers Fritz Kühn im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR, heute European School of Management and Technology, in Berlin. Foto: BBR / Cordia Schlegelmilch
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