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Urban Landscape

Eike Becker fordert ein Umdenken der Stadtbaukultur

Die Münchner Rathausgalerie bietet seit Januar Raum für eine Auseinandersetzung mit den Herausforderungen vor denen München als Stadt und Bevölkerung heute steht: Digitalisierung, Mobilität, Klimawandel, sozialer Zusammenhalt. Während die Ausstellung „#mitmünchnern. Jetzt ist Zukunft“ Projekte beleuchtet, bieten Gespräche eine Plattform für einen Austausch mit Experten aus unterschiedlichen Branchen. So auch am vergangenen Dienstag.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk sprach mit dem Berliner Architekten und Designer Eike Becker über Stadtbaukultur und wie München hier den Blick nach vorne richtet und richten muss. Die Dichte der Stadt war dabei ein zentrales Thema. In Verbindung mit dem Stichwort „Freiraumqualität“ fragte Elisabeth Merk nach den Voraussetzungen, die in der Architektur zu suchen sind, um dichter zu bauen, um keine Ghettos zu schaffen oder als Arte Povera verurteilt zu werden. Direkt und klar positionierte der Architekt die Notwendigkeit von sozialem Denken: „Wir müssen einfach unsere Städte ganz anders denken. Müssen Städte viel stärker als soziale Strukturen, soziale Räume verstehen. Menschen ziehen in die Städte, weil sie im Wesentlichen an anderen Menschen interessiert sind. Nicht weil sie unbedingt nur da Arbeit finden können. Sie wollen Urbanität. Sind kulturell interessiert. Aber vor allem wollen sie andere Menschen treffen. Dazu sind viele Quartiere nicht optimal bereichert. Sie haben nicht genug soziale Räume. Räume, in denen Menschen sich auch zufällig begegnen können. In denen auch genug Menschen sind, dass sie andere Menschen treffen können. Teilhaben können. Interessen ausleben können. Es reicht nicht aus, an Häuser und Straßenplätze zu denken. Wir müssen stärker noch gucken, wie entsteht die soziale Struktur, die gutes Leben ermöglicht. Gemeinschaftlichkeit ermöglicht. Da greifen Stadtplaner und Architekten, wahrscheinlich auch auf der politischen Ebene, ein Stück weit zu kurz. Wir müssen sehen, dass die Wohnungen nicht größer, sondern kleiner werden. Das ist eine Entwicklung, die wir an verschiedenen Stellen sehen können. Dadurch, dass es immer mehr Singlehaushalte gibt und letztendlich auch der Bedarf für andere Wohnungen entsteht, stellen sich die Fragen: Wie können diese Menschen sich begegnen? Wie ein gutes Leben führen? Wie sieht das Erdgeschoss solcher Häuser aus? Wie sehen die Räume davor aus? Wie kann der öffentliche Raum ertüchtigt werden, dass da nicht nur an Latte Macchiato-Trinker oder Demonstranten gedacht wird, sondern, dass da unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen Orte finden, die sie suchen. Kann da gegärtnert werden? Kann Sport betrieben werden? Wie kann es zu informellen und formellen Begegnungen von Menschen kommen?“

Diese Fragen sind es mitunter, auf die wachsende Städte wie München Antworten finden müssen. Die schnellen Veränderungen in Digitalisierung, Mobilität, Klimawandel und sozialem Zusammenhalt sind bereits Alltagsherausforderungen der Architekturbranche und Gesellschaft geworden.

Text: Jessica Mankel

Titelbild: Stadtbaurätin Elisabeth Merk spricht mit Berliner Architekt und Designer Eike Becker über Stadtbaukultur bei "#mitmünchnern. Jetzt ist Zukunft". Foto: Andreas Dobner / Landeshauptstadt München
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