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Urban Landscape
05. Juli 2020

Die Pioniere der Nachhaltigkeit

Der Prix Meret Oppenheim ist vergeben: Der renommierte Schweizer Kunstpreis geht 2020 an das Architekten-Duo Barbara Buser und Eric Honegger vom „baubüro in situ“, wie das Schweizer Bundesamt für Kultur (BAK) diese Woche mitteilte. Die Jury würdigte dieses Jahr das Arbeiten an der Achtsamkeit

Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigen sich die nach Basel umgesiedelten Zürcher Barbara Buser und Eric Honegger mit der Wiederverwendung von Architekturelementen und mit Umbau, Wiederaneignung und Sanierung von Gebäuden. Mit ihrem „baubüro in situ“ bauen die beiden Architekten leerstehende Gebäude zu Lebensräumen um und schaffen neue urbane Strukturen für ganze Quartiere. Jetzt ehrt das Schweizer Bundesamt für Kultur das Architekten-Duo im Herbst als herausragende Schweizer Kulturschaffende.

Bereits 1995 rief Barbara Buser die „Bauteilbörse“ zur Wiederverwendung von nicht mehr gebrauchten Bauteilen ins Leben. „Ich habe nie verstanden, warum man alles Alte abreisst und wegwirft. Die meisten alten Gebäude sind nicht nur in hoher Qualität gebaut, sondern auch mit viel Sachverstand und Liebe fürs Detail. Ein massives Eichenparkett hält locker 400 Jahre, die heutigen Komposit-Bodenbeläge vielleicht noch zwanzig Jahre“, erklärt Barbara Buser.

1998 gründeten Barbara Buser und Eric Honegger nach langjährigen Auslandserfahrungen in Afrika oder den Balkanstaaten ihr gemeinsames Büro. Sie schufen aus dem ehemaligen Sitz der Schweizerischen Volksbank einen Arbeitsraum und ein sehr beliebtes Kaffee in Basel: das „Unternehmen Mitte“. 2000 gründeten sie das Gundeldinger Feld und die Kantensprung AG und erneuerten das Quartier Gundeldingen mit einer Wiederbelebung der Fabrik Sulzer Burckhardt und ihrer Umgebung. Zu ihren neueren Projekten gehören der Umbau der Alten Markthalle in Basel, der Lagerplatz in Winterthur und das Kindl Areal in Berlin. Lebensräume zu schaffen, das ist es, was, Barbara Buser fasziniert: „Der öffentliche Raum interessiert mich fast mehr als der private Wohnbereich. Viele Architekten finden das weniger spannend, ich dagegen schon: die Umnutzung und Neugestaltung von Industriebrachen.“

Barbara Buser und Eric Honegger haben den Verein „unterdessen“ zur provisorischen Nutzung von Privatbesitz gegründet und betreiben mit Tabea Michaelis und Pascal Biedermann den Thinktank „denkstatt sàrl“, der Projekte im städtischen und ländlichen Umfeld entwickelt.

Das Statement der Jury lautete: „Barbara Buser und Eric Honegger erbringen in der Reaktivierung des Obsoleten und der Aufwertung von Vorhandenem aller Art eine Pionierleistung und folgen ihrer ökologischen und politischen Überzeugung seit vielen Jahren. Ihre Werke entstehen in inklusiven und partizipativen Prozessen, die zu einer Referenz geworden sind für die Kunst der Aufmerksamkeit für Gegebenheiten und deren Nutzerinnen und Nutzer. Bescheidenheit und Wesentlichkeit sind charakteristisch für ihre Interventionen, die intelligent und innovativ die Grundsätze der Modularität, des Recyclings und der Umnutzung anwenden und sich so bestens in unsere Zeit einfügen.“

Die Bekanntgabe des Prix Meret Oppenheim fand 2020 später als üblich statt – und vorerst nur medial: Gewählt wurden die PreisträgerInnen Ende 2019 von der Eidgenössischen Kunstkommission. Zwei weitere herausragende Schweizer Kulturschaffende haben ebenfalls den Schweizer Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim verliehen bekommen: Künstler Marc Bauer and die Kuratorin Koyo Kouoh. Alle PreisträgerInnen werden in einer Publikation vorgestellt und diesen Herbst zusammen mit den diesjährigen PreisträgerInnen des Schweizer Grand Prix Design (Ida Gut, Monique Jacot, Kueng Caputo) und des Jan-Tschichold-Preis (Maximage) geehrt.

Text: Ute Strimmer

Ein aktuelles Interview mit Projektleiter Oliver Seidel vom „baubüro in situ“ findet Ihr übrigens bei unseren Kollegen von New Monday. Außerdem lest Ihr auf www.garten-landschaft.de ein Interview mit Barbara Buser über Flussschwimmen: Sie hat die Ausstellung „Swim City“ mitkuratiert, die noch bis Anfang August 2020 im Deutschen Archiktekturzentrum DAZ (Berlin) zu sehen ist.

2020 geht der renommierte Schweizer Prix Meret Oppenheim an das Architekten-Duo Barbara Buser und Eric Honegger vom „baubüro in situ“ . Foto: © BAK, Ramòn Giger, 2020