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Urban Landscape
28. Januar 2021

Die Luft wird knapp

Die Luftqualität in Städten ist ein weltweit diskutiertes Thema, das nicht aktueller sein könnte. Wie wirkt sich die Luftqualität auf urbane Räume und damit auf das Leben in Städten aus? Ein Projekt aus Barcelona hat sich dieser Frage angenommen

Die Luftqualität in Städten ist ein Thema, das weltweit diskutiert wird, denn Stickstoffdioxid (NO2), Feinstaub (PM) und Kohlenstoffdioxid (CO2) belasten zunehmend die Gesundheit der Stadtbevölkerung. Gerade jetzt, in Zeiten von Corona, ändert sich jedoch das Szenario und es wird deutlich, dass Taten – in diesem Falle aus dem Zwang heraus, die Pandemie zu besiegen – auch Veränderungen bewirken können: Weniger Menschen sind in den urbanen Räumen dieser Welt unterwegs, die Mobilität sinkt; Industrie, Wirtschaft und Produktion kommen ein Stückweit zum Stillstand und damit verbessert sich auch Qualität der Luft. Jedoch dürfte dieser positive Trend nur von kurzer Dauer sein. Sobald die Pandemie vorüber ist, nehmen Wirtschaft und Industrie wieder Fahrt auf, steigen Energieverbrauch und Mobilität wieder an und damit auch die Emission des besonders gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxids.

Wie gefährlich Luftverschmutzung für den Menschen ist, zeigt eine Studie der Europäischen Umweltagentur aus dem vergangenen Jahr: Allein in der EU sterben im Jahr etwa 400.000 Menschen an ihren Folgen. Die spanische Metropole Barcelona etwa hat mit 6000 Autos pro Quadratkilometer die höchste Fahrzeugdichte in Europa. Wie etwa auch Madrid bricht Barcelona regelmäßig EU-Stickstoffdioxid-Grenzwerte; Spanien wird zudem in regelmäßigen Abständen von der EU-Kommission wegen schlechter Luftverhältnisse verklagt – der Hauptgrund ist der zunehmende Verkehr.

Da stellen sich die Fragen: Wie wollen wir leben? Soll das unsere Zukunft sein? Die in Barcelona lebende Architektin und Kuratorin Olga Sobirós hat sich der Dringlichkeit dieser Fragen angenommen und die miteinander verbunden Krisen – die der Luftverschmutzung, die des Klimas und die der öffentlichen Gesundheit – im Hinblick auf die Rolle der Stadtplanung und Architektur untersucht.

Das Projekt Air/Aria/Aire, mit dem sie auch im Rahmen einer Ausstellung auf der kommenden Architektur-Biennale in Venedig vertreten sein wird, untersucht und definiert Luft als Gemeingut, das essentiell für unser aller Leben ist. Dabei wandert der urbanistische Fokus von der gebauten Umwelt auf das, was, was uns unsichtbar umgibt, und was Architektinnen und Architekten oftmals in ihrer Arbeit, vernachlässigen: dem mit Luft gefüllten urbanen „Zwischenraum“. Air/Aria/Aire wertet am Beispiel Barcelonas‘ umfangreiche Datensätze aus, um den Einfluss der Luftverschmutzung auf die Stadt, den urbanen Raum – von der Gebäudeebene bis hin zur Ebene der Straßen und Plätze – aufzuzeigen. Sobirós arbeitet dabei mit dem auch in Barcelona ansässigen Architekturbüro 300.000 Km/s zusammen, das sich bei seiner Arbeit auf den Einsatz digitaler Technologien und damit auf die Nutzung offener Daten und von Bürgern generierter Daten spezialisiert hat. Mar Santamaria von 300.000 Km/s ist sich sicher, dass traditionelle Tools der Stadtplanung nicht mehr ausreichen, um die Komplexität der sich heute immer schneller verändernden urbanen Landschaften zu erfassen. In ihren Augen kann und soll sich Big Data dem unbedingten Wohlergehen der Stadtbewohner unterordnen. Um das Kartenmaterial für das Projekt Air/Aria/Aire zu erstellen, wurden Datensätze der Europäischen Weltraumorganisation, Daten von Wetterstationen sowie Modelle katalanischer Forschungsgruppen, wie z. B. Lobelia Earth und ISGlobal, Daten der Gesundheitsbehörde der Stadt Barcelona aber auch von der Bevölkerung selbst zusammengetrage Daten, verwendet. Air/Aria/Aire macht dabei Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung, Klimakrise und sozialen sowie räumlichen Ungleichheiten deutlich und ist einmal mehr ein Appell an Planerinnen und Planer, gesunde, gerechte, nachhaltige und grüne Städte zu gestalten, bei dem der Mensch und seine Bedürfnisse im Zentrum steht.

Welche Lösungsansätze Air/Aria/Aire für die Klima- und Gesundheitskrise bietet, welche Rolle Architektur und Städtebau darin spielen und wie smarte Daten und eine andere Interpretation der Smart City dem Wohlergehen der Stadtbewohner zu Gute kommen können, das berichten Architektin und Kuratorin Olga Subirós, Mar Santamaria, Stadtplanerin und Mitbegründerin von 300.000 Km/s, Carolyn Daher von ISGlobal und Landschaftsarchitektin Sigrid Ehrmann beim NXT A meets topos Digital Talk #10 am 1. Februar ab 18.30 Uhr.  

 

Für alle, die den Talk verpasst haben, in unserer NXT A Mediathek können NXT A Mitglieder exklusiv die vollständige Aufzeichnung des Gesprächs anschauen.

Noch kein NXT A – Mitglied? Hier gehts zur Anmeldung. Der erste Monat ist kostenfrei !

 

 

 

 

Foto: 300.000 km/s; Gunnar Knechtet
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