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Urban Landscape
14. Januar 2021

Der Olympiapark auf dem Weg zum Welterbe

Das Olympiastadion von Behnisch & Partner mit der Zeltdachkonstruktion Frei Ottos ist ein Avantgarde-Projekt in München. Eingebettet ist das Stadion in den Olympiapark, der als Gesamtensemble UNESCO-Welterbe werden soll

Um aus München eine prächtige Stadt zu machen, scheuten die Wittelsbacher Fürsten keine Kosten für imposante Bauten. „Kunstkönig“ Ludwig I. war in dieser Hinsicht (19. Jahrhundert) besonders eifrig: Als „Staatsbaumeister“ machte er München mit Monumentalarchitektur nach antikem Vorbild zur europäischen Metropole. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie zur „Hauptstadt der Bewegung“, in den 1960er Jahren zur „Weltstadt mit Herz“. 1972 war München Schauplatz der Olympischen Spiele, die durch den palästinensischen Terroranschlag gegen israelische Sportler traurige Berühmtheit erlangten. Bis heute ist das „Millionendorf“ ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Das Olympiastadion von Behnisch & Partner mit der Zeltdachkonstruktion Frei Ottos, die Teile des Stadions, die Olympia-Schwimmhalle und die Olympiahalle überspannt, ist eines der seltenen Avantgarde-Projekte in der Architektur-Geschichte der Stadt.

Der Olympiapark soll UNESCO-Welterbe werden

Der Olympiapark wurde für die Olympischen Spiele 1972 auf einem Trümmerberg des Zweiten Weltkrieges errichtet. Ergänzung fand die bauliche Gestaltung mit dem Olympia-Grafikdesign von Otl Aicher, einem der Gründer der renommierten Hochschule für Gestaltung Ulm. Die Farbgestaltung und damit das moderne Corporate Design standen 1972 symbolisch für die Grundwerte von Demokratie und olympischem Geist. Die Leitidee der Landschaftsarchitektur des Olympiaparks stammt von Günther Grzimek, der 1972 am Olympiapark seine Vision des Benutzerparks umsetzte. Die Nutzer*innen des Parks sollten sich von Anfang an den Park, den Rasen, die Flächen aneignen – erneut ein Ausdruck demokratischen Designs, das die Besucher bis heute mit Leben füllen, denn der Volkspark ist ein Park für alle Münchnerinnen und Münchner und deren Besucher.

Das architektonische Gesamtensemble – seit 1998 denkmalgeschützt – soll nun UNESCO-Welterbe werden. Vor allem der Kernbereich des Olympiaparks mit seinen Sportstätten gehören zu den wichtigsten Dokumenten der europäischen Baukultur des 20. Jahrhunderts.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege nahm am 19. März 1998 den Olympiapark als Ensemble sowie das Olympiastadion, die Olympiahalle, die Olympia-Schwimmhalle, den Fernsehturm sowie das Ökumenische Kirchenzentrum des Olympischen Dorfes als Einzelbaudenkmäler in die Denkmalliste auf.
Dass sich der Olympiapark mit seinen Bauten für die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste bewerben soll, wird schon lange öffentlich diskutiert. Münchens Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (1926–2020) war davon ein großer Befürworter. Er hatte damals die Olympischen Spiele nach München gebracht und später die Schirmherrschaft des Vereins „Aktion Welterbe Olympiapark e.V.“ übernommen. 2017 diskutierten Experten aus Stadtplanung, Politik und einschlägigen Organisationen, was der UNESCO-Welterbetitel für München bedeuten würde.

Der Stadtrat befürwortete die Beantragung der Aufnahme des Olympiaparks als UNESCO-Welterbe und beauftragte das Referat für Stadtplanung und Bauordnung mit der Vorbereitung des Bewerbungsverfahrens. Die Vorbewerbung des Olympiaparks als UNESCO-Welterbe (samt sogenannter Tentativliste) wurde im August 2020 eingereicht. Bis zur Verleihung des Titels ist es allerdings ein langer Weg: Das Bewerbungsverfahren geht von der Kommunal- über die Landes- bis hin zur Bundesebene. Erst im Jahr 2024 öffnet sich die UNESCO-Vorschlagsliste wieder, da vorher andere Bewerbungen aus aller Welt abzuarbeiten sind.

Text: Ute Strimmer

Das Olympiastadion von Behnisch & Partner mit der Zeltdachkonstruktion von Frei Otto. Foto: Anja Koller
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