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Architecture
26. März 2021

Bauernhof in Kirchbichl

Der Architekturpreis „max40“ wurde im Februar 2021 zum ersten Mal gemeinsam von den acht BDA-Landesverbänden Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen vergeben. NXT A stellt die sechs Preisträger*innen und ihre Projekte vor. Benjamin Eder konnte die Jury mit seinem Projekt, dem Umbau eines alten Bauernhofs in Kirchbichl (Tirol), überzeugen

Der nicht dotierte Förderpreis „max40“ soll Aufmerksamkeit für die Architekturqualität junger Büros schaffen, indem er ihre Beiträge öffentlich zur Diskussion stellt und aufzeigt, welche Potenziale ungenutzt bleiben, wenn junge Architekt*innen keine Unterstützung erhalten. Der Architekturpreis wurde im Februar 2021 zum ersten Mal gemeinsam von den acht BDA-Landesverbänden Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen vergeben. Die Auszeichnung richtet sich an in der Kammer eingetragene Architekt*innen, die in einem der acht Bundesländer tätig sind und am 1. Januar 2021 das 41. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Zu den Preisträger*innen des diesjährigen „max40“ Preises gehört Benjamin Eder, der an der TU München und an der Tel Aviv University studiert hat. 2017 gründete er sein eigenes Architekturbüro in München. Beim Umbau eines alten Bauernhofs war Sensibilität und das Bewusstsein über baukulturelle Heimat und Tradition Voraussetzung, um eine angemessene Antwort auf den Ort zu finden: Der Bergbauernhof in Kirchbichl, Bezirk Kufstein in Tirol, wurde schon vor gut 300 Jahren gebaut. Neben ihm sieht heute allerdings so manch anderes, jüngeres Gebäude ganz schön alt aus.

Denn dem Münchner Architekten Benjamin Eder, der sich unter anderem für das baukulturelle Erbe in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz einsetzt, gelang es, die Identität des Gebäudes zu erhalten – und gleichzeitig modernen Wohnkomfort hineinzubringen. Den ursprünglichen Charakter des Hofs hat er beim Weiterbauen bewahrt. Mit viel Fingerspitzengefühl setzte der 1987 geborene Architekt die Neunutzung des angrenzenden alten Stallgebäudes um: Die historischen Schichten interpretierte er zeitgemäß und schrieb sie weiter – mit neuen Materialien, mit Kontrasten und mit mehr Tageslicht im Inneren. Behutsam ging er mit der vorhandenen Substanz um und baute Maßnahmen aus den 1970er-Jahren wieder zurück.

Hier fand keine folkloristische Restaurierung statt: Fehlstellen bleiben bewusst als Flickwerk sichtbar. Alt und neu fließen im Ganzen ineinander. So nimmt jetzt das moderne, große Fenster im Wohnbereich – die sichtbarste zeitgenössische Zutat – Tradition und Geschichte auf, entwickelt gleichzeitig aber die Form alter Kastenfenster weiter. Im Innern lassen Elemente aus Stahl und Glas neue Raumeinheiten entstehen, die sich harmonisch in die alte Hülle des Gebäudes einfügen. Einen schönen Kontrast bildet das Bad. Dort geht es kompromisslos modern zu, aber nicht überzogen. Das Ergebnis: Ein beispielhafter Beitrag für ein Bauernhaus, das Vergangenheit transformiert und Neues wagt.

Text: Ute Strimmer

Mit viel Fingerspitzengefühl setzte der 1987 geborene Architekt Benjamin Eder die Neunutzung des angrenzenden alten Stallgebäudes um. Foto: Sebastian Schels
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