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Architecture
22. November 2020

Bauen ohne Müll – Utopie oder bald schon Realität?

Jörg Finkbeiner und Klaus Günter von Partner und Partner Architekten sind mit ihrem Entwurf Woodscraper für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Design nominiert worden. Die ersten zirkulären und ressourcenpositiven Hochhäuser für gesundes Wohnen aus Holz sollen in Wolfsburg entstehen

Die Architekten Jörg Finkbeiner und Klaus Günter, Gründer von Partner und Partner Architekten haben einiges gemeinsam: Beide stammen aus dem Schwarzwald; Sie sind gelernte Holzhandwerker, was sicherlich nicht zuletzt auch ihrer Herkunft geschuldet ist, und beide sehen in dem Baustoff Holz die Lösung für nachhaltiges Bauen.

Finkbeiner und Günter, die mit ihrem Team ein Büro in Berlin und im Schwarzwald bestreiten, beschäftigt schon lange die Frage nach der Verfügbarkeit und der Verwendung begrenzter Rohstoffvorräte, denn Gebäude zu errichten und in Betrieb zu halten, verbraucht Unmengen an Ressourcen. Ihre Lösung ist zirkuläres Bauen. Die Handlungsanforderungen für eine zirkuläre Zukunft zielen laut Aussage der Architekten darauf ab, Gebäude und Städte zu Rohstofflagern zu transformieren, in denen sich alle Baustoffe in gleichbleibender Qualität in Kreisläufen führen lassen.

Die Zukunft des nachhaltigen Bauens liegt für Finkbeiner und Günter also im Cradle-to-Cradle-Prinzip. Seit 2011 ist Finkbeiner Cradle-to-Cradle Consultant und gehört damit zu den Pionieren dieses Ansatzes im Bereich der Architektur in Deutschland. Wie Bauen in einer post-fossilen Welt aussehen kann, zeigen die Architekten mit ihrem Entwurf der Woodscraper, die in Wolfsburg entstehen sollen – die ersten zirkulären und ressourcenpositiven Hochhäuser für gesundes Wohnen aus Holz – ohne Mehrkosten, für eine flexible Um- und Weiternutzung, die primär aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Ressourcenpositiv meint dabei, das kein Müll beim Bau produziert wird.

Mit diesem Entwurf sind die beiden Architekten gerade in die Finalrunde des Deutschen Nachhaltigkeitspreises (DNP) eingezogen – und zwar in der Kategorie Design und damit für vorbildliche Beispiele nachhaltiger Gestaltung. Die Woodscraper, Hochhäuser mit bis zu 20 Geschossen sollen nicht nur ohne CO2-intensiven Beton, sondern auch schadstofffrei und praktisch ohne Abfall funktionieren. Durch das Schließen von Stoffkreisläufen verhindert dieses Gebäudeprinzip Müll fast gänzlich und lässt zugleich das Volumen CO2-speichernder Ressourcen anwachsen.

Die Begründung der Jury des DNP, in der unter anderem auch Verfahrenstechniker und Chemiker Michael Braungart, sitzt, der das Designprinzip der Kreislaufwirtschaft zusammen mit dem US-Forscher William McDonough entwickelt hat und damit der Kopf hinter „Cradle-to-Cradle“ ist, sieht Woodscraper als ein ganzheitliches Konzept an, das nicht zuletzt durch den Verzicht auf Beton eine drastische Reduktion von Abfällen und CO2 bewirkt und ein positives Signal in die Baubranche senden kann.

Text: Anja Koller

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Jörg Finkbeiner und Klaus Günter von Partner und Partner Architekten sind mit ihrem Entwurf Woodscraper für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Design nominiert worden. Foto: privat
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