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Urban Landscape
23. Juli 2020

Banksys Pro-Masken-Message

Der britische Streetart-Künstler Banksy hat sich wieder einmal zu Corona zu Wort gemeldet. Diesmal hat er mit seinen Graffitis in der Londoner U-Bahn für das Tragen von Masken geworben

Letzte Woche gab die britische Regierung bekannt, dass ab morgen, den 24. Juli, in England Maskenpflicht in Supermärkten und Geschäften gilt. Die Pflicht, eine Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln zu tragen, besteht bereits seit Juni. Der britische Streetart-Künstler Banksy, der mit seiner Kunst gerne spitz und kritisch gesellschaftliche Umstände anspricht, griff das Thema auf seine Weise auf: Am 14. Juli postete er auf Instagram ein Video. Es zeigt, wie er in einer Londoner U-Bahn mithilfe von Schablonen Graffitis von Ratten und Masken auf den Wänden und Fenstern der Waggons anbringt. Es sind dieselben Ratten wie Mitte April in seinem Instagram-Post zum Thema Homeoffice.

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. . If you don’t mask – you don’t get.

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Doch diesmal sollen die Tiere nicht belustigen, sondern auf die Wichtigkeit der Masken aufmerksam machen: Sie benutzen den Mundschutz gar nicht oder nicht so, wie man müßte – als Fallschirm zum Beispiel. Und eine Ratte ohne Maske niest scheinbar alles voll. Banksy selbst, bekleidet mit weißem Schutzanzug und einer Schutzbrille, orangefarbener Warnweste und blauen Gummi-Handschuhen, trägt in dem Video Maske, während er seine Botschaft aufsprüht. Zum Schluss liest man die zwei Graffiti-Sätze „I get lockdown“ und „but I get up again“. Das ist eine Anspielung auf das Lied „Tubthumping“ der Band „Chumbawamba“ aus dem Jahr 2002, das zeitgleich im Video eingespielt wird. Darin heißt es: „I get knocked down, but I get up again.“ (Man hat mich niedergeschlagen, aber ich stehe wieder auf.) Auf Instagram kommentiert Banksy seinen Post mit „Wenn du keine Maske trägst, kapierst du es nicht.“ Für seine Aktion und Direktheit feiern ihn seine Follower: Rund 4,5 Millionen Mal wurde das Video bislang aufgerufen. Mittlerweile haben Reinigungskräfte das Graffiti jedoch entfernt.

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. . Game Changer

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Anfang Mai hatte sich der der britische Künstler zum ersten Mal zu Corona zu Wort gemeldet und  während des Lockdowns auf First Responder aufmerksam gemacht: Als Dankeschön an die Belegschaft des Southampton General Hospital – sie leisteten und leisten bis heute großartige Pflegearbeit – schenkte Banksy ihnen ein Kunstwerk. Das einen Quadratmeter große Gemälde begeisterte sofort vor Ort und auf seinem Instagram-Account. Auf dem Bild kniet ein Junge in Schwarz-Weiss-Optik auf dem Boden und blickt die Spielfigur in seiner Hand an. Diese verkörpert eine Krankenschwester en miniature mit Gesichtsmaske, Cape und einem roten Kreuz auf der Brust, dem einzigen Farbelement des Bildes. Sie hat ihren Arm erhoben und fliegt – wie es Superhelden in Kinderhänden nun einmal tun. Daneben steht ein Papierkorb. Batman und Spiderman sind dort aussortiert.

Das Banksy-Bild ist nicht nur eine ermutigende und dankende Geste des Künstlers, sondern ein Statement. Während Regierungen weltweit versuchten, Covid-19 einzudämmen, die Wirtschaft bereits angeschlagen war und die Forschung dem Virus hinterherjagte, manifestierte sich die globale Systemrelevanz des Gesundheitswesens besonders zu Beginn der Pandemie. Das sah auch die breite Gesellschaft und reagierte mit Solidarität. Global dankten Menschen den First Respondern über die sozialen Medien: Sie verabredeten sich allabendlich zum gemeinschaftlichen Applaus aus ihren Fenstern, riefen zur Rücksichtnahme auf oder spendeten Geld. Rund vier Millionen Euro sammelten zum Beispiel die italienische Bloggerin Chiara Ferragni und ihr Mann, Rapper Fedez, weltweit über Social Media für das Krankenhaus San Raffaele in Mailand. Die Antwort der First Responder aus den überlasteten Krankenhäusern darauf: „Wir bleiben für euch hier. Bitte bleibt für uns zu Hause!“

All das schien einen Paradigmenwechsel, ein Umdenken in der Wertschätzung der First Responder zu begünstigen. Und das ist es, was Banksy in seinem Bild, seinem künstlerischen Kommentar festhält: In den Augen der Gesellschaft entfalteten sich zu jener Zeit neue Helden, „Game Changer“, wie sie Banksy in seinem Instagram-Post betitelt. Mit seinem Bild verweist Banksy auf das, was die Pandemie offenbart – wir müssen nur hinsehen.

Text: Jessica Mankel

Mit zwei Posts äußerte Banksy sich übrigens auch Anfang Juni zur „Black Lives Matter“-Bewegung.

In Banksys Graffiti spielen Ratten häufig eine Rolle. Diesmal ließ der britische Streetart-Künstler sie für das Tragen von Masken werben. Foto: Instagram/Banksy