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Architecture
17. Januar 2021

Archaeology of the Future

Welche Rolle spielt die Architektur als Vermittlerin zwischen der Vergangenheit und der Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigt sich der japanische Architekt Tsuyoshi Tane. Erstmals in Europa wird derzeit im S AM Schweizerisches Architekturmuseum (Basel) sein Werk gezeigt. Den kreativen Entwurfsprozess hinter seinen Arbeiten genau zu ergründen – jedem Projekt geht eine intensive Recherchephase voran, in der das Gedächtnis eines Ortes freigelegt wird –, machen virtuelle Führungen durch die Schau noch bis Ende Februar möglich

Der japanische Architekt Tsuyoshi Tane, Jahrgang 1979, der seit 2017 in Paris das Atelier Tsuyoshi Tane Architects führt, bezeichnet seine Arbeitsmethode als „Archäologie der Zukunft“. Jedem Projekt geht eine intensive Recherchephase voran, in der das Gedächtnis eines Ortes freigelegt wird, um es anschliessend in Konzeption einfliessen zu lassen.

Das S AM Schweizerisches Architekturmuseum (Basel) widmet dem in Europa hierzulande noch wenig bekannten Gestalter derzeit eine Ausstellung und macht seine besondere Arbeitsmethode anhand seiner Sammlungen von Referenzbildern, Skizzen, Objekten und Modellen sichtbar. Die Schau gibt nicht nur einen Blick in Tanes Werk, sondern regt zum Nachdenken über die Bedeutung der Geschichte in der zeitgenössischen Architektur an. Zu sehen war die Ausstellung bereits in Tokio (Tokyo Opera City Art Gallery und TOTO Gallery MA) sowie in São Paulo (Japan House). Jetzt wird sie – aktualisiert und erweitert – erstmals in Europa gezeigt.

Die monografische Schau zeigt die Vielseitigkeit von Tsuyoshi Tanes Arbeiten: der Bogen reicht von Inneneinrichtungen bis zum Estnischen Nationalmuseum. Im ersten Museumsraum lädt eine Sammlung von Fundstücken dazu ein, sich Gedanken zu den Materialien und den ihnen innewohnenden Geschichten zu machen. Es folgt eine Wunderkammer mit themenbezogenen ‹Wolken› aus Referenzbildern und Skizzen sowie ‹archäologischen› Fundstücken und detailreichen Architekturmodellen. Die eindrückliche Materialsammlung, die in die beiden anschließenden Räumen gezeigt werden, veranschaulicht, wie Tanes Ideen Form annehmen. Anschließend liegt der Fokus auf dem Atelier Tsuyoshi Tane Architects und den Menschen, die dahinter stehen: Alle Projekte werden in chronologischer Form präsentiert, auf einem Tisch stehen dazu Publikationen zum Durchblättern bereit, ein Film zeigt den Alltag im Pariser Büro.

Tsuyoshi Tane studierte zunächst Architektur an der Hokkaido Tokai University und anschliessend an der Royal Danish Academy of Fine Arts, School of Architecture, Design and Conservation in Kopenhagen. Nach ersten beruflichen Tätigkeiten in London gründete er mit zwei Partnern in Paris das Büro Dorell.Ghotmeh.Tane / Architects (DGT.), das 2006 den internationalen Wettbewerb für das Estnische Nationalmuseum in Tartu gewann. Nach Fertigstellung dieses Projekts im Jahr 2016, richtete Tane 2017 in Paris sein eigenes Büro, Atelier Tsuyoshi Tane Architects, ein.

Die Begleitpublikation „Tsuyoshi Tane: Archaeology of the Future“ dokumentiert Tanes Manifest, in dem er sein Architekturverständnis erläutert. Anschließend werden seine siebzehn Hauptwerke, die jeweils auf drei Ebenen vorgestellt: konzeptionell, mittels Bildern und Plänen. Abschliessend werden all seine Projekte chronologisch gelistet. Die Publikation bringt dem Leser Tanes Denkprozess sowie Herangehensweise näher und ermöglicht dem Ausstellungsbesucher so eine weitergehende Auseinandersetzung mit seinem Werk.

Möglichkeiten die Schau in den nächsten Wochen trotz der aktuellen Museumsschließungen zu besuchen, gibt es virtuell. Digital stattfinden wird auch der Vortrag am 4. Februar 2021: Tsuyoshi Tane spricht mit Emanuel Christ (Christ & Gantenbein) und Catherine Gay (GayMenzel) über das Thema „Context, Pretext, Subtext“.

Research wall, Tokyo, Japan, 2017/18. Foto: Atelier Tsuyoshi Tane Architects / SAM Schweizerisches Architekturmuseum, Basel
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