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Arts & Culture
27. April 2021

Alles im Fluß: Olafur Eliasson setzt Fondation Beyeler unter Wasser

Fließende Grenzen zwischen Kunst, Architektur und Natur erprobt Olafur Eliasson in seiner Installation „Life“. Der Künstler hat die Glasfassade des Renzo-Piano-Baus entfernt und acht Räume mit giftgrünem Wasser geflutet

Mitten in der Remote-Konferenz zum New European Bauhaus am 22. und 23. April aktiviert Olafur Eliasson einen Videofilter. Sein Kamerabild zerfließt in Facetten – ganz so, wie eine Fliege einen Menschen wahrnimmt. Die Perspektive der Fliege interessiert den Künstler ebenso wie die eines Hundes oder eines Baumes: „Ich bemühe mich zunehmend, das Leben nicht aus einer menschenzentrierten Perspektive, sondern aus einer breiten, biozentrischen Perspektive zu betrachten.“

Wo beginnt die Natur? Wo hört die Kultur auf? Wo die Architektur? In der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel spürt der dänisch-isländische Künstler diesen Fragen auf seine Weise nach. In Absprache mit dem Architekten Renzo Piano hat Eliasson die Glasfronten des Museums entfernen und die Räume mit grünem Wasser füllen lassen, in dem Wasserpflanzen wachsen. Life – Leben – so der bedeutungsschwere Titel der Ausstellung. Auf ihrer Website teilt die Fondation Beyeler Life per Livestream.

Die Schau in dem tür- und fensterlosen Gebäude steht Interessenten zu jeder Zeit offen – rund um die Uhr. Landschaft und Gebäude verschwimmen sprichwörtlich ineinander. Life nimmt damit auch direkten Bezug auf das gestalterische Konzept Renzo Pianos. In Form eines Seerosenteichs mit Pergola vor der Südfassade seines Museumstrakts vor der Südfassade des Museumstrakts schuf dieser einen Kontrapunkt zu den Seerosenbildern Claude Monets im Ausstellungsbereich. Eliasson geht einen Schritt weiter und lässt Gewässer und Museum verschwimmen.

Stege aus dunklem Holz leiten die BesucherInnen nun trockenen Fußes durch Eliassons Ausstellung. Das Leben ist hör- und riechbar. Innerhalb des Gebäudes, aber auch in öffentlich zugängliche Gartenanlage, die das Museum umgibt.

Die Pflanzen – darunter Zwergseerosen, Muschelblumen und Wasserfarne – hat der Landschaftsarchitekt Günther Vogt ausgewählt. Mit ihm hat Eliasson schon etliche Projekte realisiert hat, die sich mit durchlässigen Grenzen zwischen Natur und Kultur auseinandersetzten. „Dabei“, so resümiert Eliasson, „ist uns bewusst geworden, dass wir Menschen Teil von größeren Systemen sind.“

Text: Inge Pett

Wer mehr über Olafur Eliassons Projekte erfahren möchte, darf die Netflix-Dokumentation Das Design der Kunst auf keinen Fall verpassen.

Foto: Mark Niedermann Courtesy of the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York / Los Angeles © 2021 Olafur Eliasson
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