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Sustainability
15. Juli 2021

Aktueller Report: Gemeinsam für Klima und Artenvielfalt

Zwischen Artensterben und Klimawandel gibt es einen engen Zusammenhang. Was auch bedeutet: Wer etwas gegen den Klimawandel unternimmt, bekämpft damit auch das Artensterben – und andersherum. Zu diesem und anderen Schlüssen kommen Weltklimarat (IPPC) und Weltbiodiversitätsrat (IPBES) in ihrem gemeinsam herausgegebenen Bericht

Die schwindende Biodiversität galt bislang als das im Vergleich mit dem Klimawandel weniger bedeutende Umweltproblem. Dementsprechend ist der IPBES auch finanziell unzureichend ausgestattet, und der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt wird weit weniger politische Aufmerksamkeit zuteil als der Klimarahmen-Konvention der Vereinten Nationen.

Fazit des 300-Seiten-Berichts, an dem 50 renommierte Klimaforscher:innen und Biolog:innen mitgewirkt haben und dem ein viertägiger Workshop vorausgegangen ist: Nur durch den Schutz von Arten und Ökosystemen lassen sich die gesteckten Klimaziele langfristig erreichen. Die Expert:innen streichen hierbei die Bedeutung naturbasierter Lösungen hervor, denn Ökosysteme speichern enorme Mengen Treibhausgase und sind wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten.

In ihrem Bericht machen die Expert:innen in 41 Einzelpunkten Vorschläge, wie Naturschutz, Klimaschutz und die Interessen betroffener Communities in Einklang zu bringen sind. So warnt der Report vor einer weiteren Zerstörung von kohlenstoff- und artenreichen Ökosystemen an Land und im Meer. Als besonders wichtige Landlebensräume gelten Wälder, Feuchtgebiete, Torfmoore, Grasland und Savannen. Zu den bedrohten marinen Ökosystemen zählen Mangroven, Salzwiesen, Algenwälder und Seegraswiesen aufgeführt.

Auch fordert der Bericht, geschädigte Ökosysteme schnell zu renaturieren. Die Renaturisierung sei die preiswerteste und am schnellsten umsetzbare unter den naturbasierten Klimaschutzmaßnahmen. Zum einen schafft sie Überlebensräume für Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig sichert sie wichtige Naturleistungen, die bei zunehmender Erderwärmung immer wichtiger werden wie Küstenschutz, Wasserqualität, Bestäubungsleistungen von Insekten und die Verhinderung von Bodenerosion. Darüber hinaus schafft die Renaturierung Arbeitsplätze.

Eine größere Vielfalt von angebauten Pflanzen- und Baumarten sowie weniger Pestizid- und Düngereinsatz dienen dem Schutz der menschlichen Gesundheit, dem Erhalt der Artenvielfalt und der Anpassung der Lebensräume an den Klimawandel. Gleichzeitig binden sie so große Mengen an Treibhausgasen. Darüber hinaus fordern die Expert:innen mehr großflächige Naturschutzgebiete: Der Schutz von 30 bis 50 Prozent der gesamten Meeres- und Landfläche ist dem Bericht zufolge nötig, um ein Gleichgewicht zwischen Ökologie, Klimaschutz und menschlicher Entwicklung auch langfristig zu erhalten.

Zudem fordert der Report, Abholzung, Überdüngung und Überfischung nicht mehr mit staatlichen Mitteln zu fördern. Konsument:innen werden aufgefordert, ihre Konsumgewohnheiten zu überdenken: So leistet der Konsum von weniger Fleisch und weniger Lebensmittelverschwendung einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz und Naturschutz in den Ländern des globalen Südens. Auch plädieren die Expert:innen dafür, vermehrt auf Recycling und langlebige Produkte zu setzen.

Auch wenn naturbasierte Lösungen der Königsweg seien, so betonen die Autor:innen, dass diese alleine nicht ausreichen. Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Meeresbiologe und Leiter der Forschungsgruppe für Integrative Ökophysiologie am Alfred-Wegener-Institut, stellt klar: „Das Wichtigste ist, die Pariser Klimaziele einzuhalten.“ Dies sei die Voraussetzung dafür, dass Ökosysteme ihre klimaschützenden Leistungen überhaupt erbringen können.

Text: Inge Pett

Die schwindende Biodiversität galt bislang als das im Vergleich mit dem Klimawandel weniger bedeutende Umweltproblem. Foto: Unsplash/Moritz Kindler
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