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In Berlin steht das erste Zukunftsmuseum

Wie 
wollen wir leben? Einblicke in die Welt von morgen gibt das Futurium, das Anfang September 2019 im Berliner Regierungsviertel eröffnet hat. Initiator des Projekts ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Es ist das erste Museum, das sich der Zukunft widmet: Das Futurium. Anfang September 2019 hat es im Berliner Regierungsviertel  eröffnet. Ein humanoider Roboter erklärt einem dort zur Begrüßung, wie man sich zurechtfindet. Die neue Institution soll den Beitrag von Wissenschaft, Forschung und Technologie für die Gestaltung der Zukunft aufzeigen. Initiator des Projekts ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Zu den beteiligten Partnern gehören unter anderen die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Fraunhofer Gesellschaft. 

Schon von weitem ist das markante, ästhetisch nicht unbedingt anschmiegsame Gebäude mit dem weitauskragenden Obergeschoss zu sehen. Es erinnert an eine übergroße Virtual Reality Brille. Transparenz prägt den Entwurf des Berliner Architektenteams Jan Musikowski und Christoph Richter. Viel dunkles Glas schützt die Exponate vor dem Sonnenlicht. Zu Projektbeginn, Anfang des Jahrzehnts, war das Spreeufer östlich vom Hauptbahnhof noch Brache. Das Haus in Mitte bietet jetzt auf drei Etagen rund 3.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche. 

Die Zukunft zu präsentieren, das ist gar nicht so einfach. Es geht um eine Annäherung: Mensch, Natur und Technik in einer mittelfristigen Zukunft von etwa 30 bis 50 Jahren stehen im Zentrum. „Wir stellen die Zukunft nicht aus, sondern zeigen Objekte, Ideen, Installationen und Spiele, die den Menschen helfen sollen, sich mögliche Zukünfte vorzustellen“, erklärt Futuriums-Direktor Stefan Brandt. „Wir wollen Fragestellungen an die Zukunft erkennbar machen, die aus unserer Sicht für die Gestaltung der Zukunft wichtig sind.“ Also: Wie wollen wir leben, arbeiten, wohnen und konsumieren? Und wie sieht das Glück von morgen aus? Das Futurium soll neugierig und Lust machen, die Zukunft mitzugestalten, betont Museumsleiter Brandt. „Wir sind eine der ersten Generationen, für die Zukunftsgestaltung überhaupt eine realistische Option ist. Vor hundert, zweihundert oder gar tausend Jahren sah die übergroße Mehrheit Zukunft noch als etwas vollkommen Unbeeinflussbares.“

Gabriele Zipf hat die Ausstellung konzipiert. Fünf verschiedene Zukunftsthemen, von Ernährung über Arbeitswelt bis hin zu Energiegewinnung, Gesundheit und das Leben in Städten, zeigt die Schau: Essen aus dem Labor, vertikale Bauernhöfe oder nachwachsende Baustoffe aus der Natur werden mittels Videos, auf interaktiven Bildschirmen oder Tablets für Augmented-Reality-Anwendungen vorgestellt: Im Futurium Lab kann sich mit Zukunftstechnologien beschäftigen: Keine Angst vor Partizipation, sondern mitdenken, mitmachen, mitgestalten. 

Entscheider ist man in einer Modellstadt, wo eine Gruppe von Menschen unkontrollierbar wird. Soll man die Gruppe auflösen oder weiter am Bildschirm beobachten? In Rio de Janeiro wird diese Art der Überwachung bereits genutzt und in San Sebastián kann man online Parkplätze reservieren. Mehr über Zukunftsszenarien erfährt man außerdem in zahlreichen Vorträgen. Und weil das Futurium ein Ort für jeden sein soll, ist der Eintritt ist frei: „Unsere Vision ist es, mit dem Futurium einen Ort für alle zu schaffen – offen, fantasievoll und lebensnah,“ unterstreicht Direktor Stefan Brandt. Weitere Zukunftshäuser sind übrigens in Kopenhagen oder Nürnberg geplant.

Das Berliner Futurium soll den Beitrag von Wissenschaft, Forschung und Technologie für die Gestaltung der Zukunft aufzeigen. Initiator des Projektes ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Foto: Futurium / David von Becker