Become a member
← Alle Artikel
Bildung

Finanzieller Schutzschirm für selbständige Architekten und Planer  

Vorläufig keine Steuern zahlen, Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter organisieren und Liquiditätshilfen von der Bank bekommen. Was können selbständige Architekten und Planer jetzt tun, um die Krise möglichst rasch mit Regierungshilfen zu überbrücken? NXT A stellt vor, was es zu beachten gilt

Mit Entsetzen blicken hunderttausende Selbständige auf die drastischen Umsatz-Einschnitte, die sich schon jetzt, wenige Tage nach Verkündung der ersten, durchschlagenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, abzeichnen. Sowohl der Bund, wie auch die einzelnen Landesregierungen, haben inzwischen großzügige Hilfen angekündigt, um die Auswirkungen gerade auch auf die oft kleinteilige Freiberufler-Landschaft zu mildern.

Wie sehen diese Hilfen konkret aus?

Für Architekturbüros und Solo-Selbständige:

Als erstes Bundesland hat Bayern ein konkretes Corona-Soforthilfeprogramm für Betriebe und Freiberufler eingerichtet, die durch die Krise in eine existenzbedrohliche Schieflage oder in Liquiditätsengpässe geraten sind. Die Höhe der Unterstützung, die auch Ein-Mann-Betrieben zugänglich ist, wurde nach Zahl der beschäftigten Erwerbstätigen gestaffelt und liegt zwischen 5.000 und 30.000 Euro. In seiner Regierungserklärung vom 19.3. betonte Ministerpräsident Markus Söder, dass Gelder aus dieser Soforthilfe nicht zurückgezahlt werden müssen und dass die Auszahlung bereits ab morgen über die Bezirksregierungen erfolgt. Antragsformular und weitere Infos zum Verfahren und zu den konkret zuständigen Behörden: https://www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona/

Auch in Hamburg wird ein entsprechender Schutzschirm aufgespannt, bei dem Solo-Selbständige Zuschüsse von 2.500 € erhalten, der Zuschussbetrag staffelt sich nach Mitarbeiterzahl bis hinauf zu 25.000 €(https://www.hamburg.de/coronavirus/13737132/2020-03-19-bwvi-eckpunkte-schutzschirm/).

Hessen plant ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 7,5 Milliarden Euro, auch die niedersächsische Landesregierung stellt kurzfristige Förderprogramme in Aussicht. Im Thüringer Wirtschaftsministerium steht ebenfalls ein Soforthilfeprogramm für Klein- und Kleinstunternehmen vor der Verabschiedung, das Zuschüsse bis zu 30.000 Euro ermöglicht.

Von derartigen Soforthilfen brauche es aber dringend mehr, mahnt Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bundesingenieurkammer, am 20. März in einer Pressemitteilung an. „Bei unseren Kammern melden sich verstärkt kleine Büros, die über wenig bis keine Kapitaldecke verfügen. Ein Auftragsstopp – sei es nun, weil sie selbst ,lahmgelegt‘ werden oder sei es, weil es auf der Auftraggeberseite ,hakt‘ – kann für sie unter Umständen schon die Insolvenz bedeuten. Wichtig seien vor allem Maßnahmen, die ohne viel Bürokratie schnelle Hilfe böten,  um drohende Ausfälle quasi von heute auf morgen aufzufangen, so Kammeyer. Wichtig wäre für die offiziellen Stellen, im Auge zu behalten, dass Planungskapazitäten, die durch die Coronakrise wegzubrechen drohen, sonst fehlen, wenn Deutschland zum Alltag zurückkehrt. Wichtige und dringend benötigte Infrastruktur- und Hochbauprojekte, warnt der Präsident der Bundesingenieurkammer, könnten dann nicht mehr realisiert werden. Eine Übersicht über bestehende Hilfsprogramme findet sich auch auf der Website der Kammer, www.bingk.de.

Zwar hat die auf Unternehmensförderung spezialisierte KfW bislang noch kein spezifisches Programm in Sachen Corona-Hilfe aufgelegt, doch wurden die Bedingungen für KfW-Unternehmerkredite sowie den ERP-Gründerkredit für junge Betriebe gelockert. Die Mittel dienen vor allem dazu, Liquiditätsschwierigkeiten von Unternehmen und Freiberuflern abzufedern.

Zudem bietet die Förderbank an, bei Krediten, die direkt bei der Hausbank beantragt werden, 70 bis 80 Prozent des Kreditrisikos zu übernehmen und es so der jeweiligen Bank zu erleichtern, Darlehen zu vergeben. Sämtliche dieser von der Bundesregierung initiierten  Kreditprogramme sind unbegrenzt, um Jobs und Firmen zu schützen.
Weitere Infos: https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html, Hotline-Nummer 0800 539 9001.

Da auch anstehende Steuervorauszahlungen in Zeiten wegbrechender Umsätze rasch für finanzielle Schieflagen sorgen können, soll es unbürokratisch möglich werden, die Höhe der Vorauszahlungen angesichts der Krise herabsetzen zu können. Bereits aufgelaufenene Steuern können gestundet werden, selbst Säumniszuschläge und Vollstreckungsmaßnahmen wie Kontopfändungen können ausgesetzt werden, solange der Schuldner unmittelbar von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen ist. Weitere Infos: https://www.ihk-muenchen.de/de/Service/Recht-und-Steuern/Steuerrecht/Corona-und-Steuern/

Für größere Büros:

Auch die neuen Regelungen zum Kurzarbeitergeld können, gerade für Büros mit zahlreichen Angestellten, Erleichterung bringen und verhindern, dass die Belegschaft fehlt, sobald die Krise überstanden ist und die Auftragslage wieder anzieht. Sie können nun bereits dann Kurzarbeit anmelden, wenn zehn Prozent der Beschäftigten von wegbrechenden Aufträgen betroffen sind. Weitere Infos: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/bundestag-kurzarbeitergeld-1729626

Für Solo-Selbständige:

Neben den oben genannten Maßnahmen zur Steuersenkung und -Stundung haben sie zunächst die Möglichkeit, ihre persönlichen monatlichen Kosten noch in einem weiteren Bereich zu senken: dem Krankenkassen-Beitrag. Wer als Selbständiger versichert ist, kann bei seiner Kasse anfragen, ob die Beiträge aufgrund der eingebrochenen Umsatzprognosen auf den Mindestbeitragssatz herabgesetzt werden können. Wer bei der Künstlersozialkasse versichert ist, kann sein geschätztes Jahreseinkommen um die anzunehmenden Einbußen durch die Corona-Krise nach unten korrigieren. Dies wirkt zwar nicht sofort, führt aber im übernächsten Monat zu deutlich niedrigeren Monatsbeiträgen (Änderungsformular hier: https://www.kuenstlersozialkasse.de/fileadmin/Dokumente/Mediencenter_K%C3%BCnstler_Publizisten/Vordrucke_und_Formulare/Aenderung_Arbeitseinkommen.pdf)

Was den eigenen Lebensunterhalt betrifft, haben die Bundesministerien für Wirtschaft sowie für Arbeit und Soziales Gesetzentwürfe vorgelegt, nachdem der Zugang zur Grundsicherung (landläufig „Hartz IV“) zwischen 1. April und 30. September 2020 für Selbständige gelockert werden soll. In diesem Zeitraum soll bei Neuanträgen keine Vermögensprüfung stattfinden. Auch die „Angemessenheit der Aufwendungen für Kosten und Unterkunft“ sollen befristet außer Kraft gesetzt werden, was bedeutet, dass auch Miet- und Heizungskosten in vollem Umfang übernommen werden. Was bestehen bleibt, ist die Prüfung der Bedarfsgemeinschaft: Ausschlaggebend für die Bewilligung der Grundsicherung ist nach wie vor nicht nur das eigene (durch die Krise weggefallene) Einkommen, sondern auch das eines im Haushalt lebenden Ehe- oder Lebenspartners. Weitere Informationen unter https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-19-Milliardenhilfe-fuer-alle.html  und https://selbststaendige.verdi.de/beratung/corona-infopool/++co++aa8e1eea-6896-11ea-bfc7-001a4a160100

Außerdem haben auch Selbständige und Freiberufler nach dem Infektionsschutzgesetz einen Anspruch darauf, dass ihnen der Verdienstausfall ersetzt wird, wenn sie sich infizieren oder unter Quarantäne gestellt werden. Die Entschädigung wird auf Grundlage des letzten vorliegenden Einkommensteuerbescheids berechnet. Bei einer akuten Gefährdung der Existenz können auch Mehraufwendungen beantragt werden. Antragsformulare gibt es beim jeweils zuständigen Gesundheitsamt. Weitere Infos: https://www.rhein-neckar.ihk24.de/recht/wirtschaftsrecht/gewerberecht/gewerbe/selbststaendige-und-corona-4721298

Für alle:

Für Unternehmen, speziell aber auch für die Anliegen von Freiberuflern, haben die Bundesministerien für Gesundheit sowie Wirtschaft und Energie eine ganze Reihe an Hotlines eingerichtet. Die einzelnen Nummern finden Sie hier:https://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/KUK/Redaktion/DE/Meldungen/2020/2020-03-12-coronavirus-bmwi-hilfen.html

 

Titelbild: Sowohl der Bund, wie auch die einzelnen Landesregierungen, haben großzügige Hilfen angekündigt, um die Auswirkungen der Corona-Krise gerade auch auf die oft kleinteilige Freiberufler-Landschaft zu mildern. Foto: Unsplash/antony-xia-kg