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Urban Landscape

Die neue Krise der Städte

Der Schweizer Architekt und Stadtplaner Ernst Hubeli zeigt in seiner neuesten Publikation nicht nur, wie sehr Wohnen im 21. Jahrhundert zum Problemfall geworden ist. Es gelingt ihm auch, am Beispiel Berlin zu demonstrieren, wie eine Stadtgesellschaft das Grundrecht auf Wohnen einfordern kann

„Wohin man zurückkehrt, ist das Zuhause. [Doch] es gibt kein Zuhause, solange die »Wohnungsfrage« keine Antwort findet“, beginnt Ernst Hubeli seinem soeben erschienenen Buch „Die neue Krise der Städte“ in Anspielung auf Friedrich Engels.

Architekt und Stadtplaner Ernst Hubeli, ehemals Leiter des Instituts für Städtebau an der TU Graz und Chefredakteur der Fachzeitschrift Werk, ist seit 1982 Mitinhaber des realisierenden Architekturbüros Herczog Hubeli in Zürich. In seiner ambitionierten Streitschrift  zeigt Hubeli, wie sehr Wohnen heute zum Problemfall geworden ist. Der Verbrauch von Boden in den letzten zwanzig Jahren hat eine soziale und ökonomische Krise der Städte ausgelöst. Während die Peripherien veröden und ganze Landstriche ausbluten, platzen die Städte immer mehr aus allen Nähten. In ganz Europa verleibt sich das Großkapital Immobilien als Spekulationsobjekte ein und in Hotspots wie München, Zürich, Stuttgart und Berlin ist der Wohnungsmarkt schon längst zum Glücksspiel geworden. Der Traum vom Eigenheim ist für viele ein teurer Alptraum auf Pump, der in den USA eine Schuldenkrise auslöste und das globale Finanzsystem an den Kollaps führte.

In zehn pointierten Thesen beleuchtet Hubeli den Zusammenhang zwischen Wohnen und Gesellschaft, privatem und öffentlichem Raum, Urbanität und Demokratie und zeigt am Beispiel Berlins, wie eine Stadtgesellschaft ein Grundrecht auf eindrückliche Weise zurückfordern kann. Denn das Recht auf Wohnen ist ein Menschenrecht, für das es zu kämpfen gilt: Weil viel mehr auf dem Spiel steht als nur die eigenen vier Wände.

 

Titelbild: Architekt und Stadtplaner Ernst Hubeli schafft es, in seiner Neuerscheinung „Die neue Krise der Städte“ am Beispiel Berlin zu demonstrieren, wie eine Stadtgesellschaft das Grundrecht auf Wohnen einfordern kann. Foto: Rotpunktverlag, Zürich